Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina III
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 640 (sequence 3)
- Language
- German
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L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina III 639 Kräfte entziehen, nur damit sich rechtfertigen können, sie wüßten nicht, was sie tun? — Es scheint so. Vergeblich hat unlängst in der Brünner , Volksstimme' — dem einzigen zionistischen Organ, das freiheitlicher Besprechung innerzionistischer Probleme Raum gibt — Gustav Kohn eine Stellungnahme zu Lewins Untersuchungen gefordert. Nicht einmal eine der beliebten rhetorisch-dialektischen Entkräftigungen ist versucht worden. Seit sechs Monaten schweigen sich die sonst so Beredten über die erste ernsthafte (weil unparteimäßige) Palästina-Untersuchung eines Fachmannes aus. Es scheint schlimm um die objektiven Unterlagen ihrer Palästinazuversicht bestellt zu sein. Ich lasse hier den Schlußteil der Lewinschen Arbeit im Auszug folgen und bemerke, daß die genauen Quellenangaben wie überhaupt viel Material an Daten in die Uebersetzung nicht herübergenommen wurde. Zur Nachprüfung der von Lewin gemachten Angaben ist daher ein Benutzen des jiddischen Originals unerläßlich* F* M. K. * Kolonisationsmethoden Man nimmt leicht wahr, daß in Palästina Bodenkauf und Bodenbewirtschaftung planlos vor sich gingen, ja daß man ohne genügende Tauglichkeitsuntersuchung kaufte, was der Zufall bot. Es genügt ein Blick über die Lageverhältnisse der Kolonien: Außer Sichroin, das an zwei Tochterkolonien stößt, und Pessach- Tikwo, das an En Ganim grenzt, gibt es keine Kolonien, die beieinander liegen. Das verursacht doppelte Wachtdienstkosten und schwächt die Widerstandskraft gegenüber dem arabischen Element Auch sind eine Anzahl Kolonien von Anfang an zu zwerghaft angelegt, so daß dort der einzelne Kolonist in allem doppelt belastet ist: In Pessach-Tikwo mit seinen 1681 Einwohnern entfallen auf den Einwohner 25,8 Frs. an Kolonieabgaben — in Kastinie dagegen auf jeden der 130 Menschen 40 Frs. Natürlich fehlt es in diesen kleinen Siedlungen auch an den unentbehrlichsten Handwerkern usw. Ein großer Fehler war es auch, daß man in die meisten Kolonien gleich soviel Menschen steckte, als sie überhaupt nur aufnehmen konnten. So blieben keine Reserven an Boden, und darum kann von einem natürlichen Zuwachs der Kolonien durch neue Ansiedler oder durch Niederlassung der Kolonistensöhne keine Rede sein. Noch heute ist man sich nicht im klaren, welcher Wirtschaftsinhalt der Palästina angemessenste ist — ob Pflanzungen oder Feldwirtschaft — oder gar die gemischte Wirt-