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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 639

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina III
Date
1914-02-20
Page
Seite 639 (sequence 2)
Language
German
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638 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina III maskilischen Scheuklappen herabzureißen, und nun lernten, das Volk zu sehen; die dann begannen, allem, was in den Tiefen des Volksgeschehens vor sich ging, nachzuspüren und sich durch die wundersamen neuen Erkenntnisse auf ganz andere als die altgewohnten Wege gedrängt sahen. Für die alljüdische Ideologie verschlägt es demnach wenig, ob Kolonisations-Experimente in Palästina oder anderswo glücken oder mißlingen. Sie war nie daran interessiert, sich auf eine ausgeklügelte oder zu Recht bestehende Palästina- Verelendungstheorie zu stützen, weil sie statt abstrakter Formeln die jüdischen Dinge greifbar nahe sah und wahrnahm, daß von den Abläufen der Golusentwicklung keiner in Palästina einmündet, und daß keines der großen Volksprobleme seine Lösung abseits der Diaspora habe. Für sie haben also Untersuchungen, die die Aussichtslosigkeit der Palästinaarbeit ergeben, niemals einen ideologischen, höchstens einen praktischen Wert, um der leidigen, auf Kosten des Golus erfolgenden Palästinaverhimmelung einen Damm zu setzen. Die zionistische Ideologie dagegen wankt im letzten Fundament, wenn der Satz von der Eignung Palästinas (einer Eignung nicht etwa zur Lösung der Volksprobleme, sondern nur zur Besiedlung mit Juden) — wenn dieser grundlegende Satz durch die Ergebnisse einer Untersuchung gefährdet wird, die das Gegenteil dartun. Eine solche Untersuchung liegt nun bereits seit Monaten vor in der Form von vier Aufsatzfolgen, die L Lewin in der vortrefflichen jiddischen Revue ,Die jüdische Welt* veröffentlichte, und die auf ca. 80 Seiten und gestützt auf ein mühsam an Ort und Stelle gesammeltes Zahlenmaterial zum erstenmal die objektiven, in der Natur des Landes gegebenen Bedingungen dartut, denen die palästinensische Kolonisation unterliegt. Diese äußerst wertvolle Arbeit ist nicht wie soviele ostjüdische Kritik am Zionismus dem Westen verschwiegen worden. Die ,Freistatt* brachte von ihr einen Auszug, der die wesentlichsten Ausführungen und Daten Lewins enthält (siehe August- und Januarheft)^ und dessen erste Folge bereits derart sensationell wirkte, daß darüber unbedingt eine eingehende Diskussion in der zionistischen Presse zu erwarten war, Soll es nun wirklich wahi sein, daß alle die großen und tönenden Worte (von Palästina, dem Herzen der Gesamtjudenheit, dem Boden, auf dem sich die Revolutionierung der jüdischen Wirtschaft, nie der jüdischen Kultur abspielen wird) von Menschen geprägt würden, die in jedem Sinne krasse Ignoranten sind, und die im besten Fall dafür, daß sie dem Volk des Golus soviele

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