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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 621

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Alljudentum und Zionismus
Date
1914-02-20
Page
Seite 621 (sequence 10)
Language
German
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€20 F. M. Kaufmann, Alljudentum und Zionismus wären sie einfach verhungert Denn ihnen stand nicht wie den Polen, Russen, Ruthenen eine rührige Intelligenz zur Seite. Sie mußten sich selbst den Weg bahnen und erzwangen ihn sich dank ihrer unbiegbaren Zähigkeit. Seit dieser Zeit beginnt die ungeheure Umschichtung des jüdischen Wirtschaftslebens, die heute noch lange nicht zum Abschluß gekommen ist. Derselbe Kapitalismus, der ihnen als Händlervolk zum Fatum geworden war, lieferte ihnen die Grundlagen zu einem neuen, gesunderen Wirtschaftsleben. Man würde nämlich nur die eine Seite der Entwicklung sehen, wenn man lediglich die destruktive Wirkung der Kapitalisierung des Ostens auf den jüdischen Handel und das Kleinhandwerk ins Auge faßt Man muß auch die positive Seite sehen, die in ihren wohltätigen Wirkungen über* wiegt: wo der Kapitalismus auftritt, lösen sich die persönlichen Beziehungen zwischen Gütererzeuger und -Verbraucher; diese sind nicht mehr national zusammengebunden. Was früher jüdische Besonderheit war (andersnationale Verbrauchermassen zu befriedigen), wird zum allgemeinen Charakter der kapitalistischen Wirtschaft. Während nun das Land von den neuen wirtschaftlichen Umwälzungen lange fast unberührt bleibt, werden die Städte des Ostens Zentren der Kapitalisierung von Handwerk, Industrie und Handel, die jetzt für den weiteren inländischen oder gar für den Weltverkehr zu arbeiten beginnen. Jetzt erst kann sich der Jude von dem persönlichen Besteller oder dem heimischen Markt emanzipieren. Sobald das jüdische Handwerk sich in den Städten zu kapitalisieren beginnt, strömen dorthin die unaufhörlich wachsenden Massen ab, die auf dem Land aus ihren Berufen verdrängt werden, und erobern sich neue Wirtschaftsgebiete. Es ist ein regelrechter Kampf. Hier wie in der Fabrikindustrie erlischt nur langsam der Widerstand der nichtjüdischen Arbeiter gegen die Eindringlinge. Das Charakteristische ist, daß dieses jüdische Proletariat fast ausnahmslos beim jüdischen Unternehmer arbeitet.1) In den jüdischen Betrieben kommt es mehr und mehr zu einem Herausdrängen, der nichtjüdischen Arbeiter, denn der jüdische Unternehmer spürt J) Das Eindringen der Juden in die Fabriken ist unverkennbar. Im Jahre 1887 betrug der Prozentsatz jüdischer Arbeiter in den jüdischen Textilfabriken des Byalstocker Bezirks nur 61%, im Jahre 1897 schon 8^f7°/o. Für das Jahr 1897 gibt J. Leszczinksi (in seinem Buch „Der jüdische Arbeiter") folgende Zahlen des Anteils jüdischer Arbeiter an jüdischer Industrie: nordwestlicher Bezirk 74 % oberer Süden . ♦ 34,1% Süden . . . 39 % Durchschnitt (ausgenommen Polen und Gouv. Cherson) 53,3%,

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