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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 616

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Alljudentum und Zionismus
Date
1914-02-20
Page
Seite 616 (sequence 5)
Language
German
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F- M. Kaufmann, Alljudentum und Zionismus 615 nahm sich niemals die Zeit, den Tendenzen des Volkslebens nachzuspüren. Das hatte Herz und Sinn an Europa verloren; nicht an das alte gewaltige Europa, das aus dem Mittelalter herausragt wie ein Turm — an das Europa der Emporkömmlinge, die am liebsten alles Echte, Bodenständige rationalistischen Formeln zuliebe aus den Ländern herausfegen. — Dort ist der jüdische Intellektuelle zu einer Geißel für sein Volk geworden, unfähig, ihm getreu zu dienen und zu seiner organischen Weiterentwicklung beizutragen. Dort nahm er sein ödes Gleichmachertum, dort seine Ideale von der normalen Religion, der normalen Ethik, dem normalen Sichausleben, der normalen Kultur, der normalen Volkssprache, dem normalen Wirtschaftsleben und der normalen Nation, mit denen er dann das jüdische Volk zu beglücken suchte. Der letzte Volksbeglücker, der aus diesem Lager herkommt, ist der Zionismus. Er ist dazu stark beeinflußt durch jenen Amerikanismus, der mehr und mehr das öffentliche Leben Europas verseucht Losgelöst von allem ungebrochen Jüdischen, von den primitivsten Vorgängen und Ereignissen im Leben der zentralen Massen nichts ahnend, das Herz voll snobistischer Verachtung gegen Volkskultur, Volkselend, -große und -Sehnsucht, mit einer unerhört platten und nihilistischen Gesinnung die Dinge des jüdischen Lebens zu Parteizwecken vergewaltigend, ist heute der Zionismus zur vielleicht reaktionärsten Gewalt im innern Leben der Ostjuden geworden.5) Kaum ein Volksproblem, das er nicht falsifiziert hat. Er hat mit den Angelegenheiten der Emigration, mit allen möglichen politischen und kulturellen Lebensfragen des jüdischen Volkes kokettiert, er führt heute einen brutalen Kampf gegen die Volkssprache, nachdem er vergebens versuchte, den Massen eine untaugliche, durch und durch zionistisch gefärbte Parteischule als Volkserziehungsanstalt aufzuzwingen, — und jetzt neuerdings sein Hebräerparoxismus, Es wird das alles — was nicht Vorwurf ist, sondern ruhige Erkenntnis der Rolle, die der Zionismus im Volksorganismus spielt — durch die folgenden Ausführungen klarer hervortreten. Dann wird es deutlich werden, daß sein Werk nichts anderes ist als ein unaufhörlicher Aderlaß am nationalen Gut und Blut, und daß man dieser Wirkung gegenüber von günstigen Nebenerscheinungen, die er unter den Westjuden ausgelöst hat, absehen darf. Mehr soll hier nicht zur Charakterisierung des zionistischen Nationalismus gesagt werden. 5) Noch ist im Osten der Widerstand gegen die zionistische Zielsetzung nicht organisiert. Wie stark aber heute schon fast alle, die unter Ostjuden etwas bedeuten, den Zionismus ablehnen, das lehrt ein nur flüchtiger Blick in das jüdische Schrifttum,

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