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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Kicyr Masû:ojs Binjûmin Hashlishi
Date
1914-01-20
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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Jiddische Dichtung 599 an den Ofen gerollt kommt, an den Ort, wohin die Gespräche über alle Angelegenheiten hinrolien, über Hauptgeheimnisse, über Politik von Stambul, vom Türken und vom Oesterreich er, über Geldgeschäfte z. B. über Rothschilds Vermögen im Vergleich zu dem der Edelleute und anderer Vornehmer, dann Nachrichten über die Verordnungen 6) und über die Roten Juden 7) und dergleichen. Dort werden sie von einem besonderen Komitee angesehener alter Leute verwaltet; die sitzen den ganzen Tag über bis in die späte Nacht hinein, kümmern sich nicht um Weib und Kinder und widmen sich alten Geschäften wirklich treulich, besorgen alles in ausgezeichneter Weise, ganz uneigennützig, nehmen für ihre Mühe und Arbeit keinen roten Heller. Von diesem Komitee wandern die Angelegenheiten ins Bad auf die oberste Bank 8), dort wird alles in einer Versammlung von Bürgern erwogen beschlossen, bestimmt und festgestellt, und mögen hinterher alle Könige des Orients und Okzidents kommen und sich auf den Kopf stellen, so werden sie nichts mehr zu ändern vermögen. Der Türke wäre einst in einer solchen Versammlung auf der obersten Bank beinahe unglücklich geworden, und hätten es nicht einige ehrsame Bürger mit ihm gehalten, wer weiß, wie es jetzt mit ihm stünde Der arme Rothschild verlor dort schier zehn oder fünfzehn Millionen. Einige Wochen später half ihm Gott, man war gerade, wie man sagt, ziemlich lustig; auf der obersten Bank ging es just ein wenig lebhaft her, die Ruten flogen, da sprach man ihm auf einmal einen Reingewinn von ungefähr hundertundfünfzig Millionen Rubeln zu! Die Einwohner Tunejadewkes sind fast alle — mög* es Euch anders gehen! — sehr arme Leute, sehr große Habenichtse, die Wahrheit aber muß man sagen, sie sind fröhliche Arme, lustige Habenichtse, furchtbar vertrauensselige Menschen. Wenn man zum Beispiel einen Tunejadewker plötzlich fragt, wie er sich eigentlich fortbringt, so bleibt er anfangs wie verwirrt stehen und weiß nicht, was er sagen soll. Ein wenig später erholt er sich und antwortet naiv; Ich, wovon ich lebe, ich? Et, es gibt einen Gott, sage ich Euch, ja, der seine Geschöpfe nicht verläßt, er gibt uns und wird uns wohl auch weiter geben, sage ich Euch, ja. — Nun, aber was ist Eure Beschäftigung? Habt Ihr ein Handwerk oder irgend einen andern Unterhalt? — Gott sei Dank und Preis, er gab mir eine schöne Stimme zum Geschenk, gottlob, und ich bete 9) in den hohen Feiertagen 10) Mussaf ll) in der Umgebung, ich bin ein ganz unübertrefflicher Beschnetder und Mazzesrädler 12) ich bringe manchmal eine Partie zustande, bringe ich* Ich hab meinen Platz, wie Ihr mich da anschaut, in der Schul Dann hab ich auch, unter uns gesagt, eine Schenke, die was hergibt, ich hab eine Ziege, die gibt unberufen auch sehr viel her, ich hab auch hier in der Nähe einen reichen Verwandten, ja, der in schlechter Zeit auch was 6) Gegen die Juden. 7) Sagenhafter jüdischer Stamm hinter dem Sambatjenström* 8) Im Schwitzbad. 9) Als Vorbeter 10) Neujahrs- und Versöhnuiigstag. 11) Mittagsgebet. 12) Der die Mazzes für Pessach formt, 13) Synagoge.

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