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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Kicyr Masû:ojs Binjûmin Hashlishi
Date
1914-01-20
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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598 Jiddische Dichtung Mendale Mojcher Sfurem1' Kicyr masü:ojs Binjümin Hashlishi das heißt Die Reise Benjamins des Dritten Der auf seinen Reisen gar weit, bis hinter die „Finstern Berge* 2) gelangte und viel wundersame schöne Dinge sah und hörte, die schon in allen siebenzig Sprachen erschienen sind und heute auch in unserer Sprache erscheinen, 2* Kapitel. Wer Benjamin ist, woher er ist und wie er plötzlich zu seiner Reise kam. „Alle meine Tage — so sagt Benjamin der Dritte selbst — alle meine Tage wuchs ich in Tunejadewke 3) auf. Mein ganzes Leben, das heißt bis zu meiner großen Reise, verbrachte ich in Tunejadewke. Dort wurde ich geboren, dort wurde ich erzogen, und dort hielt ich glückselige Hochzeit mit meinem Weibe, der ehrsamen Frau Seide, sie möge leben," Das kleine Städtchen Tunejadewke ist ein abgelegener Winkel, abseits von der Poststraße, von der Welt fast ganz losgerissen. Wenn es sich einmal ereignet, daß jemand hinkommt, dann öffnen sich die Fenster und die Türen, und man sieht sich den Neuen verwundert an, ein Nachbar fragt den andern, aus dem offenen Fenster blickend, viel mehr als vier Fragen 4): Hm, wer mag das wohl sein? Woher ist er so plötzlich vom Himmel heruntergefallen? Was kann der wollen? Hat er nicht irgend eine Absicht? So einfach kann das nicht sein, so einfach kommt man nicht, mir nichts, dir nichts! Da gibt es offenbar irgendwas, was man herausbekommen muß, . . Dabei wollen alle ihre Klugheit und Erfahrung zeigen, und ungereimte Annahmen fliegen nur so. Alte Leute erzählen Geschichten und Beispiele von Fremden, die in dem und dem Jahre gekommen waren, die Neunmalweisen geben ihren nicht gerade schönen Spruch dazu. Die Männer streicheln sich den Bart und lächeln, alte Frauen schelten die Neunmalweisen im Scherze, zornig und lachend zugleich, junge Frauen tun aus den niedergeschlagenen Augen einen verstohlenen Blick von unten herauf halten die Hand auf den Mund, um das Lachen zu unterdrücken* Das Gespräch über diese Angelegenheit rollt wie ein Schneeball von Haus zu Haus und wächst im Rollen immer mehr an, bis es ins Beßmedresch 5) 1) Pseudonym von Shületn Jankew Abramowitsch, dem „Großvater der jiddischen Literatur.* — Das Folgende ist das Anfangskapitel des Werkes. 2) Sagenhaftes Gebirge, Indien von Afrika scheidend, 3) Aus slavischem Stamm gebildeter Stadtname, ungefähr „Parasitenstadt" oder „Faulort" 4) Die der jüngste Sohn des Hauses an den Sederabenden den Vater fragt. 5) Lehr- und Bethaus.

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