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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 579

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Der Mittler
Date
1914-01-20
Page
Seite 579 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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578 Ludwig Strauß, Der Mittler das Schlafzimmer, in dem mein eisernes Bettchen gestanden hatte, die Küche mit der hellen, freundlichen, großgeteilten Tapete und das Wohnzimmer mit der dunklen, die für die Abende eines kleinen Träumers gemacht schien. Ich erinnerte mich, nicht ohne den alten Schauer zu fühlen, an die Tapetentür, die kaum sichtbar aus ihm zu einer dunklen, schmalen Treppe führte, hinab in den engen zweiten Hof. All das war mir nun verschlossen und verknüpft mit der Fremden, deren Lächeln mir von Jahr zu Jahr sich vertiefte wie der Himmel, wenn man lange hineinschaut, bis die ferneren Sterne erscheinen. Ich hörte auch die Nachbarn und Bekannten von ihr in besonderem Tone reden: man warf ihr Leichtsinn vor und die Gewohnheit der Verführung. Meine Mutter freilich kümmerte sich nicht um solches Gerede und suchte es zu meiden; auch verteidigte sie die Fremde vor den andern. Ja, sie schalt mich manchmal wegen meiner Verstocktheit, aber ich genierte mich, plötzlich zu grüßen, nachdem ich es jahrelang unterlassen hatte. Oft allerdings brannte in mir eine Lust dazu, aus Spannung und Verwirrung, wenn ich die Schöne sah. Eines Morgens vor nicht langer Zeit wurde versehentlich bei uns ein Brief für die Dame im Gartenhaus abgegeben, und die Mutter bat mich, ihn ihr zu überbringen. Ich war zu stolz, gegen alle Vernunft mich zu weigern, und ging ein wenig gedemütigt über den Hof zu der Fremden. Als ich klingelte an der wohlbekannten Tür, klopfte mein Herz heftig. Wie ich seltsamerweise erwartet hatte, öffnete mir die Fremde selbst, in einem leichten Hauskleid, das den Ansatz ihrer schimmernden, festen Brust und die Umrisse ihres schlanken Leibes zeigte. Mir war, ich müßte sie um Verzeihung bitten und ihr danken für ihre Schönheit Ich stellte mich vor, und sie sagte gütig lächelnd, während ihre Hand den Brief aus meiner ein wenig bebenden nahm: „Haben Sie mir vergeben?** Ich wurde wohl rot und wußte nichts zu erwidern. Da lachte sie wenig und glänzend und sagte, auf die Zimmer weisend: „Wollen Sie diese Räume noch einmal sehen? Ich glaube, Sie kennen sie noch." „Sehr gerne", sagte ich, „ich habe so oft noch an die Zimmer gedacht; es quälte mich die eine oder andere Kleinigkeit; etwa: war die Verbindungstür zwischen Wohnzimmer und Salon genau in der Mitte der Wand oder ein bißchen mehr nach dem Fenster zu?" So sprechend traten wir ein und gerieten in ein fast herzliches Geplauder, während ich die fremden Möbel neugierig in das alte Bild der Zimmer sich fügen sah. Plötzlich erstaunte

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