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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 575

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Bemerkungen zu einem Gleichnis
Date
1914-01-20
Page
Seite 575 (sequence 3)
Language
German
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574 F. M, Kaufmann, Bemerkungen zu einem Gleichnis das Recht beansprucht, nach Laune, Vorurteil und Trägheit ihre Entscheidungen zu wählen. Es muß ein Objektives da sein, das sie rechtfertige. Als Böhm in einer Polemik gegen uns die erschütterte theoretische Situation seiner Partei dadurch zu befestigen vermeinte, daß er sie lediglich auf ein Subjektives, den Willen zum Zionismus basierte, um so jeder weiteren Kritik den Ansatz zu entziehen, unterlag er demselben für Zionisten typischen Denkfehler, der Buber verführte, sein Gleichnis vorzubringen. Buber übersieht obendrein, daß sich für seine Partei die Situation mehr noch ethisch als theoretisch durchaus geändert hat, seitdem die These vom Zerfall des Golus erschüttert, und die Palästinahoffnung durch die Kritik und nicht zuletzt durch die nunmehr wahrnehmbare Kette von Mißerfolgen auf ihr geringes natürliches Maß reduziert worden ist Was im Düster des zerfallenden „Galuth" und vor der Lichthelle, die die Palästina-Utopie in die Herzen warf, sich zu rechtfertigen schien (nämlich das zwiespältige Verhältnis der Zionisten zum lebendigen Volk des Golus und zu ihren Parteischöpfungen für und in Palästina), das entbehrt heute aller, aber auch aller objektiven Unterlagen, und wirkt nicht, trotzdem Buber es vor* aussetzt, wie das selbstverständliche Geheiß naturgegebener Bindungen, sondern wie ein Akt volksfremder Parteiwillkür, der das nationalistische Gerede in allem Wesentlichen dementiert — wie eine logische und ethische Anomalie. — Die zionistische Partei hat nicht umsonst in ihren fähigsten Vertretern am Volk, seinen Nöten und seiner Größe immer wieder blind und verständnislos vorbeigetappt: ihre Judenheitsanschauung — die Katastrophenlehre, von der sie agitatorisch lebt — ist eine derartige Ungeheuerlichkeit, daß man ihren Schöpfern, Propagatoren und Gläubigen auf lange jede ernsthaftere Kenntnis jüdischer Dinge und Vorgänge absprechen muß. Solange jedenfalls, wie die jetzige unbeholfene Totschweigepraxis, mit der die Partei die Erschütterung ihrer theoretischen Position verheimlichen zu können glaubt, nicht durch eine ernsthafte Inangriffnahme fundamentaler Reparaturen an dem wertlos gewordenen theoretischen Bau abgelöst wird; und darauf ist kaum zu hoffen. Es ist dann doch eine Anomalie, wenn sich die Anhänger solcher Partei zu diesem Volk des Golus — also zu einem unbekannten, dem sie im besten Fall durch Finger* Spitzen-Erlebnisse verbunden sind — sich eine stiefväterliche Verwandtschaft konstruieren, d. h. ihre Antipathie- oder zum mindesten Indifferenzgefühle, die sie nicht etwa echten Erfahrungen, sondern der Enge unzureichenden Sehens verdanken, unberechtigt objektivieren. Eine Anomalie (die aber einer gewissen Komik voll ist) auch die brünstige, vorschnelle Art, wie sie

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