Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Bemerkungen zu einem Gleichnis
Date
1914-01-20
Page
Seite 574 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119811-3121271--1080-3121329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

F. M, Kaufmann, Bemerkungen zu einem Gleichnis 573 dische Volksbewegung mit einer ihrer ersten und unreifsten Wirkungen hat, mit dem zur reaktionären Macht gewordenen hebraistischen Zionismus. Vor langem schien es einmal, als würden dessen Geschicke das Schicksal jener und auch das breiterer jüdischer Massen merkbar mitstimmen; was anders aber als die Phrase erinnert daran im heutigen Zionismus?-- Auch das, was Kernpunkt unserer Kritik ist, entging Buber, Gewiß, wir werfen auch dies den Zionisten vor, daß sie sich um die „Positionen des Golus"-nie oder dann nur kümmern, wenn die sich für Parteizwecke benutzen lassen. Nun ist das lediglich Konsequenz jenes anderen Vorwurfes, mit dem wir weit heftiger dem zionistischen Nationalismus die Hochwertigkeit bestreiten: wir behaupten nämlich, der Zionisten stiefväterliches Verhältnis zum Golus („stiefväterlich" oder gar „geschwisterlich" ist sicher Euphemie; im Osten charakterisieren es gute Köpfe wie Bertholdi und der Zionist Dr. Eliaschow als parasitär, feindselig, herzlos) und ihr väterliches zu Palästina und ihren Parteiidolen entbehre aller objektiven Grundlagen und sei darum widernatürlich, bestreiten also die Anwendbarkeit gerade jenes Gleichnisses vom Kind und den Geschwistern, das Buber — als ob dadurch die zwiespältige „Volksliebe" der Zionisten automatisch ihre Objektivierung erfahre — gegen uns ins Treffen führt. Ein untauglicher Hieb — stellt doch Buber einem Punkt unserer Kritik etwas entgegen, das nimmermehr entkräften kann, sondern das zu den wundesten Steller der ziemlich schadhaft gewordenen zionistischen Ideologie gehört. Um ernsthaft zu widerlegen blieb nur ein Weg: erweisen, daß das Gleichnis überhaupt anwendbar ist, daß ihm eine Identität entspricht, und zwar, daß so wie das Verhältnis: Vater — Sohn — Geschwister, so auch das: Zionisten — Palästina -— Golu; ein natürliches, objektiv begründetes ist. Ich warte noch immer auf den, der diese dringend nötig gewordene Rechtfertigung des Zionistseins zu vollziehen wenigstens versucht. Dieses Objektiven, das seine Handlungen rechtfertige, bedarf der nicht, wer keine nationale oder auch nur soziale Verantwortung auf sich nimmt, der Philanthrop etwa oder ein romantischer Eigenbrödler; der mag sich noch so subjektiv sein Verwandtschaftsverhältnis zu diesem, seine A- und Antipathie zu jenem nach Laune, Vorurteil und Bequemlichkeit konstruieren — es ist nichts unethisches darin —, die Handlungen strafen die Ziele nicht Lügen. Nicht so eine Partei, die sich vor allen anderen national nennt und ihre Zwecke leichthin durch den Namen der Nation zu heiligen sucht Sie handelt gegen alle soziologische Einsicht, wenn sie es sich an subjektiven Rechtfertigungen ihrer Ziele genügen läßt; sie frevelt wider das Volk, wenn sie für sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.