Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Bemerkungen zu einem Gleichnis
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 576 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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F. M. Kaufmann, Bemerkungen zu einem Gleichnis 575 ihre Liebesgefühle auf ein ihnen noch Unbekannteres abladen, das sich heute immer mehr als ein ungeheurer Bluff enthüllt, und wie sie etwas ihr Kind nennen, das nicht sie, sondern des Barons, der Ica und Gott weiß welch andere Lenden zeugten. Ein Kind, über das Buber anscheinend genau so parteimäßig informiert ist wie fast alle seine Gesinnungsgenossen* Vom Nahen haben die es nie oder nur mit Augen gesehen, die sich in jedem Fall, selbst wenn die Potemkinade greifbar aus allen Winkeln herausschaute, die langgenährten Hoffnungen bestätigen wollen. Adoptieren auf Grund einiger Paradetugenden, mit denen die zionistische Partei das von ihr auserwählte Land herausputzt, derartige Entscheidungen treffen, nicht gezwungen durch selbstständige Erfahrungen, sondern im blinden Vertrauen zu einer verdächtigen, großenteils wertlosen, längst von der Wirklichkeit und kritischer Berichten widerlegten Agitationsliteratur — das ist nur eine allzuliterarische Vaterschaft, die nicht einmal zu einem Gleichnis taugt. So warte ich denn — nicht auf den, der die Anomalie aus der Welt schaffe; ich fürchte, das wird nicht gelingen — ich warte auf den Zionisten, der unerschrocken genug ist, trotz allem Parteischranzen seinen Gesinnungsgenossen die Anomalie in ihrer ganzen Bedeutung aufzuhellen und davor warnt, mit Gleichnissen die innere Krise zu verdecken, durch die seine Partei auch ethisch in eine unhaltbare Lage herabzusinken droht. Heute gilt doch dies: Der Zionismus findet nicht mehr den Mut zur Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart; gegenüber ernsthafter Kritik weiß er sich nur noch eine Wehr, eine schmähliche und nutzlose: das Totschweigen, lebt also davon, daß die Masse seiner Anhänger in jüdischen Dingen unwissende und leicht zu täuschende Menschen sind. Dieses schlechte Gewisser wenigstens könnte dem Zionismus genommen werden. Wenn damit auch wenig für seine theoretische Position gewonnen wäre — ethisch wird er dann doch anders dastehen als heute. Wird einer kommen und den Zionismus rehabilitieren?