Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Bemerkungen zu einem Gleichnis
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 573 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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572 F, M. Kaufmann, Bemerkungen zu einem Gleichnis Bemerkungen zu einem Gleichnis Von F. M. Kaufmann „Man hat uns von alljüdischer Seite vorgeworfen, daß wir uns um den palästinensischen Jischub mehr kümmern als um die „Positionen des Golus". Ja, das ist so: man mag seine Geschwister noch so sehr lieben, es gibt eine Sorge, die unvergleichlich ist — die Sorge um sein Kind; und der Jischub ist unser Kind." So Martin Buber in einer Aeußerung zu dem Konflikt zwischen Zionisten und Hilfsverein, die er (Welt 1914, 2/31) mit dem Satze beginnt: „Wir durchleben gegenwärtig den wichtigsten, den fruchtbarsten Augenblick der modernen jüdischen Bewegung." Ein merkwürdiger Satz, Buber scheint danach gar nicht wahrgenommen zu haben, was seit den letzten zwanzig Jahren in der jüdischen Gasse vor sich ging, scheint wie die große Masse seiner Gesinnungsgenossen so fern allem jüdischen Volksleben zu stehen, daß er heute noch von seiner Partei als von der modernen jüdischen Bewegung spricht Es ist doch ein arger und durch die Unkenntnis alles Wesentlichen nicht entschuldbarer Mißbrauch mit dem Wort von der jüdischen Renaissance, wenn es in solcher Weise für die Oberflächenbewegung des hebraistischen Zionismus und für unsagbar aufgebauschte Angelegenheiten einer Partei in Anspruch genommen wird. Wenn die zionistische Organisation neben anderen Allüren auch d i e Unsitte dem heutigen Parteibetrieb entlehnt hat, die Sache eines kleinen Interessentenkreises für die brennendste und wichtigste Angelegenheit der großen Volksgemeinschaft auszugeben, und wenn sie es ihren kritisch durchaus unbewaffneten Anhängern mit schönstem Gelingen so hinstellt, als seien Zionismus und moderne jüdische Bewegung, das Häuflein Schekelzahler und das gewaltige Volk identische Dinge, so ist das ein Unfug, den sich andere als ein notwendiges Uebel der Parteienethik zurechtlegen mögen. Niemals aber berechtigt eine derartige Parteiusance den einzelnen, mit solch defekter Terminologie als mit einer objektiv irgendwie gültigen zu hantieren. Zumal doch schon ein flüchtiger Blick über das hin, was im jüdischen Volk echte, aus Tiefen heraufdrängende Bewegung ist, darüber belehrt, wie wrenig Berührungspunkte die moderne jü-