Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina II
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 562 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina II 561 der Ica ein neues Darlehen. Das wird aber auch viel zu klein gewährt, und im dritten Jahre wiederholt sich dann die Misere. In Mizpo z. B. erhielt jeder Ansiedler außer Land und Gebäuden 3000 Frs, und außerdem 300 Frs. für Kühe, Im zweiten Jahre mußte die Ica bereits 700 Frs. zulegen, im dritten sogar 1000 Frs,, und im vierten Jahre war es kaum besser. Als nicht minder schädlich hat es sich herausgestellt, daß die neuen Kolonisten bereits von der ersten Ernte abzahlen müssen. Die Administration kümmert sich aber nicht um die wenig rentablen Folgen: Paris soll sehen, daß die Kolonisten ihre Zinsen bezahlen. — Ganz gleich, ob schon im nächsten Jahre dem Kolonisten die doppelte Summe als neuer Kredit zurückgezahlt werden muß. Im ganzen aber ist die Tätigkeit der Ica-Administration nicht so schlimm, wie man sich es bisher vorgestellt hat. Mancherorts, z. B. im südlichen Galiläa, ist sie sogar tüchtig und musterhaft. Dort läßt sie die Kolonisten frei schalten, führt Wasseranlagen durch, tut Kooperativen auf und hat in einigen Kolonien ihre Hilfe bei der Anlage von Gärten zugesagt Die Chowewe-Zion haben kein selbständiges Kolonisationssystem herausgearbeitet — sie hatten bis in die letzte Zeit dieselben Grundsätze, wie wir sie bei des Barons Administration kennen lernten: Bevormundung und Unterstützung. Nur daß in derselben Zeit, in welcher der Baron an die 10 bedeutende Kolonien anlegte, die Hilfe der Chowewe-Zion nach einem palästinensischen Wort „in einer Ziege, einem Esel und Pferdefuiter" bestand. Das Resultat ihrer Arbeit sieht auch danach aus. Gedera ist die einzige ihrer Anlagen, die einige Bedeutung hat. Peßach-Tikwo und Gedera sind fast ausschließlich durch den Baron gehalten worden. In Kastinie gab es 1912 19 Familien, von denen 10 hungerten, so daß am Ende des Jahres fast die Hälfte von ihnen im Begriff war fortzuziehen. In En- Ganini wurden damals von 31 Wirtschaften nur 11 bearbeitet. Ueberhaupt, vergleicht man das Resultat der 30jährigen Arbeit mit dem großen Lärm, den die Chowewe-Zion anstellen, mit den unzähligen Artikeln, die sie schrieben, und mit den vielen Sammlungen, die sie überall in Israel unternahmen, dann weiß man nicht, soll man mehr ihre Standhaftigkeit und ihren festen Glauben bewundern oder ihre Kurzsichtigkeit und die Verblendung von Menschen wie Ussischkin. der sehr zufrieden mit dem * bisherigen Resultat ist und erst jüngst wieder das jüdische Volk einer neuen Sammlung gewürdigt hat — einer, die ganz besonders Jerusalem zugute kommen soll. In den letzten Jahren haben auch die Zionisten in Palästina zu arbeiten begonnen. Bis zum Jahre 1912 hatten sie folgendes