Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 561

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina II
Date
1914-01-20
Page
Seite 561 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119811-3121268--1062-3121316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

560 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina II Pflanzungsversuch für Palästina rentabel werden kann, das ist damit natürlich nicht entschieden. Fast in jeder Kolonie hatte die Administration ihren „Hof" mit einem ganzen Aufgebot von Knechten und Inventar. Ein beträchtlicher Teil des Budgets war dafür ausgesetzt, aber es ist dazu nicht wenig unrechtmäßig beiseite gebracht worden. So kam es vor, daß ein Verwalter einem Kolonisten sein Pferd nahm, ihm dafür einen Arbeitsochsen gab, das Pferd einem anderen und dann der Zentrale berechnete, als habe er Ochs und Pferd neu angeschafft. Die Kolonisten führten hingegen den Verwalter an. Kam er, um in den einzelnen Wirtschaften Personalaufnahmen zu machen, so führte ihm der Kolonist eine Anzahl arabischer Arbeiter vor; waren die verzeichnet, dann schickte er sie schnell auf Hinterwegen zu einem Freunde; es wurde derart für dieselben Arbeitskräfte von der Verwaltung die doppelte Entschädigung gezahlt usw. So sind große Summen verschleudert worden. Später übertrug dann der Baron die Sorge um den Jischew der Ica. Auch sie krankt an dem, was für jede Kolonisationsverwaltung charakteristisch ist: auch sie will ihre Notwendigkeit beweisen, zeigen, daß sie „arbeitet". Auch sie sieht sich genötigt, der Pariser Zentrale gefärbte Berichte zu geben, damit es den Anschein hat, als stehe die Arbeit günstig. In Metula z. B. konnten Anfang 1912 die Kolonisten nicht zur Arbeit gehen; sie hatten nicht einmal zu essen, weil man ihre Ernte in den Speicher der Verwaltung abgeführt hatte zur Schuldentilgung. In dieser Zeit war der Verwalter des nördlichen Galiläa in Paris (bei der Jcazentrale) und schilderte die Lage von Metula als äußerst günstig. Derselbe Beamte hatte den Einfall, kaukasische Juden anzusiedeln, hielt aber, als sie einmal im Lande waren, seine Versprechungen nicht, so daß nach skandalösen Vorgängen, die genau untersucht werden sollten, die neuen Kolonisten sich ruiniert sahen und Machanojim verließen. Will man die heutige Kolonisationspolitik der Ica charakterisieren, so mag man sie generell eine Sparpolitik nennen. Dieses Sparen verursacht aber manchmal weit größere Verluste als das frühere Schleudersystem* So erhalten neue Ansiedler viel zu kleine Darlehen um sich gründlich einzurichten, und sehen sich gezwungen, minderwertiges und zu wenig Material anzuschaffen. Natürlich sieht danach auch die Landarbeit aus, und im Anfang des zweiten Jahres bleibt dem Kolonisten nicht einmal das Nötigste, um an die Arbeit zu gehen; sein Gerät ist reparaturbedürftig, und die Arbeitstiere machen nicht mehr mit. Entweder läßt er dann alles im Stich (wie das in Atlit, Kineres, Bes-Gan und anderswo vorkam), oder er nimmt von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.