Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina II
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 560 (sequence 6)
- Language
- German
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L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina II 559 Kolonisten. Als z. B. 1911 in Mes'cho einigen Familien die Mittel fehlten, um das Feld zu bestellen, wollte ihnen die Administration nur unter der Bedingung Geld vorstrecken, daß der Kolonievorstand für sie bürge. Der wollte aber nicht, trotzdem er damit kein Risiko übernahm, und die Kolonisten mußten Mes'cho verlassen. Angekauft wurde ihre Wirtschaft — vom Kolonievorstand. Auch die direkte Wirkung der Administration auf die Kolonien selbst ist ins Auge zu nehmen* Beim Getreidebau hätten die Kolonisten naturnotwendig frei schalten und wirtschaften können. Die Administration unterdrückte den aber möglichst und suchte die Pflanzungskolonie durchzuführen, ohne von Fall zu Fall mit den eingeführten Sorten Versuche anzustellen. Was irgendein Pariser Agronom vorschlug, das wurde auf weiten Landstrecken angesetzt. Beim Getreidebau schaden solche Mißgriffe höchstens für das laufende Jahr. Im nächsten läßt sich der Fehler leicht gut machen, und die Verluste sind nur gering. Anders bei Pflanzungen. Wie dort jede Arbeit auf Jahre angelegt wird, so wirkt auch jeder Mißgriff jahrelang nach, und hier ist das herausgeworfene Geld viel beträchtlicher. Nun hat sich das gesamte Pflanzungswerk der Administration als ziemlich unproduktiv herausgestellt Die Weinstöcke in Rosch-Pino und Sichrojn wurden von der Philoxera vernichtet. Dann wurden amerikanische Reben eingeführt, die sehr kostspielig waren und wenig und minderwertigen Wein ergaben. In J'ßoid sind, als ein Zeichen der Vernichtung, nur einige vertrocknete Pomeranzenbäume stehengeblieben. Die Olivenschule in Rosch-Pino ging zugrunde, ebenso wie die Mandelpflanzungen in Sichrojn. Die Aprikosen dort hatte der Regen vernichtet. Die Ekroiner Mandelbäume tragen fast nichts. In Rosch-Pino wurde Tabak gepflanzt* Ein günstiges Londoner Kaufangebot wurde von der Verwaltung abgelehnt und die Ernte nach Aegypten gebracht Unterwegs wurde die Ladung naß — und die Arbeiter hatten das Nachsehen. Sie protestierten — man ist sie aber schnell losgeworden und hat dann nicht weiter Tabak gepflanzt. Jn J'ßoid wurden Blumen gepflanzt und eine Parfümfabrik angelegt. Davon stehen heute nur noch die Mauern; die Fenster und Türen sind von den Kolonisten als Brennholz verwendet worden. In Rosch-Pino wurden Maulbeerbäume gepflanzt und eine Seidenfabrik angelegt. Dort geschah dasselbe wie in J'ßoid. Die Reihe der mißlungenen Versuche läßt sich beliebig vermehren. Ob es in jedem Fall zu einem Fiasko kommen mußte, oder ob unter normaleren Bedingungen der eine oder andere