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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 557

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina II
Date
1914-01-20
Page
Seite 557 (sequence 3)
Language
German
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55G L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina II wurde. Und das nach dreißig Jahren Kolonisation, und trotzdem die Bodenpreise seitdem um das vier- und mehrfache gestiegen sind. Wenn also das aufgewandte Kapital nicht einmal jene minimalsten Erfolge aufweist, die trotz den schweren objektiven Bedingungen der palästinensischen Kolonisation zu erwarten waren, dann müssen gewisse zufällige Bedingungen mitgewirkt haben. Diese sollen im folgenden kurz untersucht werden. A) Das Kolonistenmaterial Waren die Pioniere der palästinensischen Kolonien ein brauchbares Element? Sicherlich nicht 1. Von denen, die in den achtziger Jahren herüberkamen, waren nur die Ekroner mit Landwirtschaft vertraut. Unter den übrigen gab es kaum einen, der seine Kameraden zur Arbeit anweisen konnte. So nahmen sie sich die Araber zu Lehrmeistern. Bei der primitiven arabischen Bebauungsart ist es in der Feldwirtschaft bis heute geblieben. Arabisches Ackereisen, arabisches Dreschbrett und arabische Felderteilung herrscht noch heute in den jüdischen Kolonien. 2. Es waren also in der Hauptsache Handelsleute und „Intelligente", die in den achtziger Jahren herübergingen — Menschen, die an körperliche Arbeit nicht gewöhnt sind. Die Landwirtschaft fiel ihnen von Anfang an sehr schwer. So wurden die Araber, die sie zuerst als Lehrmeister nahmen, bald das ständige Arbeitselement, und die Kolonisten — Grundbesitzen Manchmal hat zwar die Administration verlangt, die Kolonisten sollten selbst ihre Aecker bestellen — aber zu einer Durchführung dieser Anweisung ist es nie gekommen. Kommt man heute nach Rosch-pino, so trifft man jederzeit Gruppen von Kolonisten auf dem Schulplatz beim Plaudern. In Rischojn macht man sich darüber lustig, daß viele Kolonisten nicht einmal den Weg zu ihren Weingärten kennen. Sogar in Gedero, der Bilusiedlung, trifft man an Winternachmittagen, wenn die Arbeit brennt, stundenlang keinen Kolonisten auf der Straße; sie halten dann ihr Mittagsschläfchen. Später geht's dann aufs Feld, um die Araber anzutreiben. „Faulenzer" — das ist in Palästina der Spitzname für die Kolonisten geworden. Natürlich trifft das für einen gewissen Teil neu Hinzugekommener im unteren Galiläa und in Kastinie nicht zu. Dort gibt es fleißige Menschen, die selbst ihren Acker bestellen; aber für die Mehrzahl der Kolonisten hat das Wort seine gerechte Bedeutung. Außer diesem Faulenzertum ist es dem Stand der Landwirtschaft sehr schädlich, daß abgesehen von Kolonisten die übrigen

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