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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 554

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Westjüdische Erneuerung
Date
1914-01-20
Page
Seite 554 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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F. M. Kaufmann, Westjüdische Erneuerung 553 „ ... So deutlich die religiöse Unruhe unserer Zeit sich darin kundgibt (in den Strebungen, die aus Piatonismus, Renaissance, Identitätsphilosophie und Sinnlichkeitskultur ein religiöses Neuheidentum schaffen wollen), wirkliche Erneuerungen und Emporbildungen kräftigen, volksgestaltenden religiösen Lebens wird darin niemand im Ernste erblicken können. Der pessimistische Neubuddhismus ist ein fremder Tropfen in unserem Blute, ist Kulturkritik und Wissenschaft, künstlerische Stimmung und eine aus der lebendigen Bewegung selbst sich herausnehmende Sonderstellung reflektierender Individuen. Das künstlerische, ethische Neuheidentum ist Literatur für Literaten, eine Welle in dem immer neuer Weltanschauungen und Ethiken bedürftigen raschen Umschlage großstädtischer Geistesfreiheit Der mitleidslos hochmütige aristokratische Ton dieser Literatur bezeugt schon, wie wenig ihr an den Seelen der Tausende liegt, die im Kampfe mit dem Alltag der Größe eines starken und schlichten Glaubens bedürfen. Vollends die neue Religion ist eben um ihrer bloßen Zukünftigkeit willen eine Religion, die überhaupt noch keine ist, Sie ist aber auch eine, die niemals kommen wird, und über deren Erwartung die religiösen Kräfte und Aufgaben übersehen und verloren werden, die vor unseren Füßen liegen. Wenn man irgend etwas auf diesem Gebiete wird sagen können, so wird man behaupten können, daß aus dem Schoß einer derart reflektierten, verwissenschaftlichten, überbewußten und mit tausend technischen Weltsorgen geplagten Kultur die einfach großen Mächte der Phantasie und des Instinktes, der Lebenssicherheit und Gewißheit niemals entstehen kann." — — So wir;d denn der Weg jener Westjuden, die über das Literarische hinaus wesenhaft sich mit der Erneuerung ihrer nationalen Gemeinschaft verbunden fühlen, nicht in jener Niederung verlaufen, auf der der Geist dieses Buches so häufig deklamiert. Er muß zu jener Gemeinschaft führen, die allein fähig ist zu den unsagbar gesteigerten und wie aus unübersehbarem Chor erklingenden religiösen Wehen, aus denen heraus die neuen Lebensformen jüdischer Religiosität sich gestalten werden. Solange deren Zeit noch nicht gekommen ist, wartet dieser zum Volk der Ostjuden Heimkehrenden noch manche Tragik und die schwere Aufgabe: hindern, daß nicht weitere Störung in dieses Werdende hineindringt; nicht dulden, daß die unberufenen Hände Volkentfremdeter ein Judentum konstruieren und für eine Lösung ausgeben, an dem das Volk nie Anteil hat; verlangen, daß von den Rednern der Zeit nicht weiter

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