Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Ökonomische Übersicht
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 528 (sequence 3)
- Language
- German
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Ben Mordechai, Oekonomische Uebersicht 527 die Volkszählung von 1897 verlassen. Ich will bloß erwähnen, daß man auch in Regierungskreisen auf diese interessante Erscheinung aufmerksam wurde. Im offiziellen Bericht über die Gärtnerei in Rußland (Otsherki sowrjemennawo sostojanija pla~ dowodstwa, ogorodnitshestba i winogradorstwa w Rsossij. Izd, Depar. Zemljdjelija. St. P. 1899, p. 39) wird schon darauf hingewiesen, daß sich die kleine Handelsgärtnerei (deren Erzeugnisse für den Handel, nicht zum eigenen Gebrauch, produziert werden) in Litauen und Weißrußland fast ausschließlich in jüdischen Händen befindet. Infolge der Entwicklung des Ansiedlungsrayons und des Eindringens der Christen in die speziell jüdischen Berufe, was sich in den letzten Jahren besonders stark bemerkbar machte, mußte die jüdische Masse natürlich den Uebergang zu dem neuen Wirtschaftszweige, zur Landwirtschaft, ebenfalls verstärken. Und hier müssen wir die bedauerliche Tatsache hervorheben, daß die jüdische Gesellschaft dieser jüdischen Masse gegenüber, die mit aller Kraft zur Erde zurückzukehren strebte, vollständig gleichgültig blieb. Alle die Intelligenzler und Halbintelügenzler, die Jammergesänge über das Losgerissensein der Juden von Feld und Wiese anzustimmen pflegten, fanden es nicht für wert, dieser Masse auch nur mit einem Rate beizustehen. Nur die assimilierte ICA war es, die noch etwas tat — sie, die unsere nationalen Phantasten, die Zionisten, immer so heftig angreifen, und von der der „Razswjet" unlängst forderte, sie solle ihre Kapitalien den Zionisten übergeben, weil man nur in diesem Falle einen nationalen Gebrauch davon machen könne. Um aber die Wahrheit zu sagen, tut auch die ICA in dieser Hinsicht sehr wenig, jedenfalls viel weniger, als man tun könnte. Und daß man hier etwas leisten kann, zeigt am besten die Tatsache, daß sich im Minsker Gouvernement, wo die ICA in der letzten Zeit ziemlich energisch arbeitet, schon vor einem Jahre über 1200 Obstgärten in jüdischem Besitz befanden. Die ICA unterstützt die jüdischen Gärtner nicht nur mit Geld (sie gibt ihnen zu den allgemeinen Kosten von 1,50 Rubel pro Baum bis zur Zeit, da sie Frucht tragen, jährlich 1 Rubel), sie agitiert auch unter den Juden der kleinen Städte für die Idee, zur Landwirtschaft überzugehen. Mit großer Freude können wir feststellen, daß diese Propaganda bedeutenden Erfolg hat, und daß diese Idee immer tiefer ins Bewußtsein der breiten jüdischen Massen eindringt. Leider aber beschränkt die ICA diese Tätigkeit vorläufig nur auf einige Gouvernements, während ein ganz beträchtlicher Teil des Ansiedlungsrayons außerhalb ihres Arbeitsbereiches bleibt. Aber auch in den Gouvernements, wo den Juden beim Kampf ums