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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 529

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Ökonomische Übersicht
Date
1913-12-08
Page
Seite 529 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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528 Ben Mordechai, Oekonomische Uebersicht Eindringen in die Landwirtschaft niemand half, und sie ihn aus eigenen Kräften führen mußten, können sie sich eines großen Erfolges rühmen. Hier ist insbesondere das Gouvernement Kowno zu erwähnen. Dort ist die Gemüsegärtnerei stark entwickelt, und es kommt oft vor, daß Bauern bei Juden Gemüse kaufen. Vor allem ist es jedoch interessant, daß sich auch hier die Juden soweit als möglich vom Lokalmarkt mit seiner begrenzten Aufnahmefähigkeit loszumachen suchen. Ich erwähnte schon oben, daß die Suwalker jüdischen Gärtner ihre Produkte nach Deutschland exportieren. Die jüdischen Gärtner des Gouvernements Kowno machten zuerst den Versuch, den großen inländischen Markt zu gewinnen. Der wichtigste Exportartikel sind hier Gurken. Zu Erhöhung des Preises werden sie nicht in grünem Zustande verkauft, sondern konserviert und auf die Eroberung des großen Marktes von Rußland ausgeschickt. Bisher waren Warschau, Riga, Lodz usw. der Absatzmarkt, der sich jetzt erweitert hat und auch Petersburg umfaßt. Erst in allerjüngster Zeit begann sich die „Gesellschaft zur Verbreitung von Handwerks- und Ackerbaukenntnissen unter den Juden" um diese Erscheinung zu kümmern. Aber leider sind ihre finanziellen Mittel sehr gering, weshalb sie nur wenig leisten kann. Daher gewährt sie den Juden, die zum Obstbau übergehen wollen, keine Hilfe, obwohl sie selbst feststellt, daß eine solche Tätigkeit großen Erfolg haben kann, und beschloß vorläufig nur den Gemüsebau zu unterstützen, weil die Anleihen hier kleiner sind und auch für kürzere Zeit genommen werden. Dieser Geldmangel ist um so ärgerlicher, wenn man sich erinnert, welch große Summen jährlich für verschiedene „nationale Experimente" und Untersuchungen ausgegeben werden, die in Wahrheit gar keinen nationalen Wert und noch weniger Aussichten auf Erfolg haben. Unwillkürlich denkt man daran, welch" bedeutende nationale Werte man schaffen könnte, wenn man die Kapitalien des „Jüdischen Nationalfonds" für Arbeit in den sogenannten Golusländern verwendete. Wir glauben zu fest an die Lebenskraft der jüdischen Massen, um zu fürchten, das Abseitsstehen unserer assimilierten Intelligenz werde diesen ökonomischen Renaissanceweg der jüdischen Masse hindern können. Das Schwerste ist bereits überstanden, der Andrang ist da, und das weitere Eindringen der Juden in die Landwirtschaft wird schon unter viel günstigeren Bedingungen stattfinden. (Aus dem jiddischen Manuskript übersetzt.)

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