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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 496

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Von der inneren Bedeutung des Prophetismus
Date
1913-12-08
Page
Seite 496 (sequence 15)
Language
German
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Dr. R. Seligmann» Von der inneren Bedeutung usw. 495 als ein Fürsichseiendes und Aufsichbestehendes gelten lassen kann, daß wenn ihm die Person nichts weiter als ein winziges und unbedeutendes Glied in der unendlichen Kette der natürlichen Relationen ist, er konsequenterweise auch ihren moralischen Forderungen keine absolute Geltung angedeihen lassen kann. Ebenso wie er die menschliche Persönlichkeit in eine undifferenzierte Materialität oder eine undifferenzierte Geistigkeit aufgehen läßt, ebenso wird er ihre moralischen Gefühle in eine konfuse Allgemeinheit versenken. Moralisch sei derjenige zu nennen, der gemäß den Forderungen der Natur lebt, so lautet eine uralte monistische Fassung, die in den modernsten Geistern einen Nachhall gefunden hat, wobei es jedem frei stand, in den Begriff der Natur seinen eigenen Inhalt hineinzulegen. Moralisch sei wiederum derjenige zu nennen, der gemäß den Forderungen des Kollektivs, der Gesellschaft lebt, so lautet eine andere alte monistische Fassung, die im modernen Sozialismus ihre eifrigsten Vertreter zählt. Dies sind die zwei Hauptrichtungen, die für den konsequenten Monismus typisch sind. Sie entsprechen nicht den Forderungen des ethischen Gemüts und sind \m Grunde amoralisch, denn die echte Moral kann ohne das Moment des Persönlichen keinen Bestand haben. Alle Forderungen, die die menschliche Persönlichkeit an das unmittelbare Leben stellt, und mithin auch die ethischen Imperative, müssen sofort spurlos zerrinnen, sobald aus dem Bewußtsein der Person die Erkenntnis schwindet, daß sie im Leben solche Tendenzen zu verwirklichen hat, die neben und über dem tatsächlichen Geschehen stehen, daß jedenfalls der Schwerpunkt ihres Daseins in einer anderen Ebene zu liegen kommt, als der der äußeren physischen Natur. Die Frage, um die sich hier alles dreht, besteht im folgenden: hat die Forderung der Person, und mithin auch der ethische Imperativ, irgendeine reale Basis in einem selbständigen Prinzip, das neben und über der natürlichen Tatsächlichkeit als solchen seine Wirksamkeit entfaltet, oder ist es bloß der Reflex irgendeines natürlichen Geschehens innerhalb der psychischen Organisation, sei es der Sympathie, des Wohlwollens, des Mitleids oder der Berechnung? Stammt die Forderung der Person aus einem selbständigen, unabhängigen Prinzip, so trägt die Maßregelung der Wirklichkeit seitens dieser Person, und der eventuelle Kampf der letzteren mit der ersteren, ihre innere Rechtfertigung in sich, Ist sie aber nichts weiter als der Reflex eines natürlichen Geschehens in der psychischen Organisation, und kommt ihr keine andere Bedeutung als diejenige zu, die eben jeder Tatsache als solcher zukommt, so muß sie dem Kriterium alles Tatsächlichen unterliegen, und dieses ist: das Sichbehaupten, der Erfolg, die Er-

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