Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Die Dichtungen Arnold Zweigs
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 461 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Ludwig Strauß, Die Dichtungen Arnold Zweigs *m^^^^^^—^^*^^*^^mmmi^^^^a^mmmi^aam^—^mi'm^^^mm—0^—^^^^——^—^^—^—^—*^*^^mm^im^^m^mmm^mmm* lose Ueberschwung der Sprache des jungen Schiller, Das Pathos Zweigs ist hier ganz frei geworden, durch alle Feuer der Skepsis offenbar nur geläutert, nicht verzehrt, weil es echt war So sehen wir den überlegenen Autor der „Familie Klopfer" durch Erfahrungen zur Jugendlichkeit kommen (eine scheinbar paradoxe, heute nicht seltene Entwicklung) und ein Drama schreiben, dessen Sprache nicht frei von den Merkmalen des „Sturms und Drangs" ist. Im allgemeinen freilich bindet eine sehr harte Stilisierung diese Gebärde der ethischen Leidenschaft. Wie im „Egmont" wachsen vershafte Partien aus der festen Sprache organisch heraus, fast daktylische und ganz streng gebundene jambische Sätze. Durch einen solchen allmählichen oder sprunghaften Wechsel von Prosa und Prosavers werden starke musikalische Wirkungen in Uebergang und Kontrast erzielt Aber über solche rational faßbaren Mittel hinaus besitzt Zweig hier eine weitgehende Meisterschaft der Sprachmusik, und weder das Kriegerische noch das königlich Trunkene, weder das Zierliche noch das Mütterliche, die alte, tröstende Süßigkeit in der Stimme der Magd Silpah, die klagende in der Stimme der verzweifelnden Abigail (im letzten Akt) kann vergessen werden. Von dem hebbelschen Bibeldrama etwa unterscheidet sich dieses bewußt durch die Annäherung an biblisch-jüdische Sprechart. Wie weit das, was in der modernen deutschen Sprache als jüdische Nuance empfunden wird, den Ton des Werks beeinflußt, das kann im Rahmen dieser Betrachtung nicht untersucht werden. Aber welcher Jude würde nicht das Verwandte dieser Stimme fühlen? Hier ist das biblische Milieu nicht willkürlich gewählt, sondern eine jüdische Intention drängt den Autor zwingend in den jüdischen Lebenskreis. Die Dichtung der deutschen Juden weist ja den gleichen Zwiespalt wie ihr Leben auf: sie ist jüdisch dem Geiste nach, der formend in ihr wirkt, — nicht jüdisch ist sie im Augenfälligsten, in der Sprache und meist im Stoffgehalt. Nicht ist sie, — um eine Aeußerung Achers zu zitieren — eine Funktion jüdischer Gesittung, Nun gibt uns Zweig nicht im Gehalt, sondern in der grundlegenden Methode seines letzten Werks ein Symbol unserer Befreiung. Hier sehen wir, wie der im fremden Milieu vereinsamte, in die eisigste Region des Abstrakten verdrängte jüdische Geist sich mit einem jüdischen Milieu vereint, mit unerhörter Intensität es durchdringt, selber frei und tief aufatmend in der neuen verwandteren Luft. Denn eine feste Kontinuität der nationalen Energie verbindet die Geistigkeit dieser Gestalten des alten Jahwevolkes mit der unseren. So hat uns Zweig ein nationales Drama geschaffen, in vielfachem Sinne, auch in dem des Gehalts. Wieder ist die Haupt-