Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Die Dichtungen Arnold Zweigs
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 462 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119809-3120918--0827-3121044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Verse 461 person der dekadente Intellektuelle, aber von ihm befreit sich die triebhaft sichere Frau, und sie berührt auf ihrem Weg den Gegenspieler Nabais, David, den freien, wagenden, aktiven jüdischen Menschen. Wie das Morgenrot, dem zugewendet Nabal stirbt, steht der Sieger am Horizont der Tragödie, und man glaubt fast, daß ihm die Worte des Sterbenden gelten: „Gesegnet sei, der da bringt das Licht und das Recht!" Neben den beiden Titelpersonen ist David freilich nur vage gezeichnet, er hat nur Existenz als Funktion ihres Schicksals. Aber vielleicht ist er die Verheißung einer modernen jüdischen Idealfigur in einem späteren Werke Zweigs: des tätigen Helden, der den Intellektualismus überwindet, ohne auf den Intellekt zu verzichten, der hell im Licht seines Bewußtseins, das ganz über ihn ausgeschüttet ist, unbeirrt den Weg seines Willens geht. Verse Isaac Schreyer Der Rausch des Erleuchteten Nicht Traum mehr bin ich, nur das satte Licht, Das sich in tausend Poren lauernd regt Und allen Dingen helle Kränze flicht. — Und etwas lebt in mir, — ich kann's nicht nennen —, Das wie ein Sturm oft meinen Mund bewegt Und meine Lippen leuchten auf und brennen Dem Unsagbaren flammenloh entgegen. Und doch spür' ich, wie über jedem Worte Sich viele Schleier wie ein Nebel legen, Und keines öffnet seine schlanke Pforte . . . Nur noch ein Ding bin ich sich selbst entronnen, Nicht Anker mehr, der an gewohntem Orte Stillhält. Ich kreise nur — ein Hauch um Sonnen . .