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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 459

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Die Dichtungen Arnold Zweigs
Date
1913-11-15
Page
Seite 459 (sequence 6)
Language
German
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458 Ludwig Strauß, Die Dichtungen Arnold Zweigs setz der Dinge, das ihn als Herrn geboren werden ließ, und sucht dieses Gesetz rein wirken zu lassen, ohne sein Zutun. Den Dienern ist er etwas ganz Unpersönliches, der „Herr", der Sohn seiner Väter, die, wie er, Herren waren. Sie müssen ihm dienen, denn als Diener sind sie geboren und tragen in sich das Gebot des Dienstes. Diese allgemeine Gesetzmäßigkeit klug zu nutzen, ist Nabais Amt, sie nicht zu stören mit der Bloßstellung der eigenen ganz besonderen Person. Nur selten tritt er hervor, dann umgeben von der ganzen unpersönlichen Glorie des Herrn. Auch sein Weib Abigai'l dient ihm, dem Gesetz und der Gewohnheit folgend, ungeliebt und lieblos, äußer* lieh freigegeben, aber innen gebunden in den dunklen Netzen, in denen Nabais tatlose Macht ausgespannt ruht Glänzend ist das biblische Motiv verwertet: David, noch der flüchtige Bandenführer, hat Nabais Hirten mühevoll beschützt, aus freiem Willen, und läßt, nun selbst bedrängt, um Lohn bitten. Nabal weist ihn ab, Davids Krieger drohen ihm mit Ueberfall und Vernichtung. Da rettet ihn Abiga'il, indem sie heimlich David den geforderten Lohn überbringt. Am nächsten Tage stirbt Nabal. Aus dem, was über Nabal gesagt ist, läßt sich diese Handlung in der Tat klar und bedeutsam entwickeln. Er, der seine Existenz auf einen gesetzmäßigen Verlauf der Dinge gegründet hat, muß natürlich den Anspruch ablehnen, der aus Davids unerbetener, wenn auch notwendiger spontaner Hilfe erwächst. Hier erscheint die Grenze, an der Nabais Glück enden muß: das Zusammenleben der Menschen ist nicht nur durch Konvention, sondern in entscheidenden Momenten allein durch per* sönliche Iniative bestimmt Hier zerbricht der Passive, der, Gesetze erkennend und nutzend, seine Persönlichkeit reservieren, weit vom Getriebe des Lebens in eine reine Einsamkeit retten will. Unter der Bedrohung durch den zerstörenden Ueberfall erwacht in Abigai'l dunkel das Gesetz ihres eigenen Wesens, das sie zum freien Handeln treibt und gegen Nabais Willen zu David ziehen läßt. Sie ist keine Dienerin, nur wie eine Lähmung hat sich Nabais Macht auf sie gelegt; nun beginnt ihre Befreiung, und Nabal verliert sie an David. Noch gibt sie sich dem neuen Geliebten nicht hin, noch hat sie die Ketten nicht ganz abgestreift und muß zurückkehren. Aber daheim entdeckt sie ihre Freiheit unter furchtbaren Leiden; sie ist nun in Nabais Bereich, aber furchtlos gesteht sie ihm, ja übertreibt das Geschehene. Sie gesteht ihre Hingabe an David, die nur äußerlich nicht „wirklich" war, — Nabal hat in ebendieser Nacht die Krone abgelehnt, die Saul ihm geboten hat und die ihn

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