Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (15.11.1913)
- Article
- Die Dichtungen Arnold Zweigs
- Date
- 1913-11-15
- Page
- Seite 458 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Strauß, Die Dichtungen Arnold Zweigs 457 „Familie Klopfer" zeigt, sondern von einer nervösen, fieberhaft zuckenden, nach den Dingen hastig greifenden Geste, die ihr ästhetisch ganz widerspricht und sie noch schwerer ertragen läßt Denn auch der Stil Zweigs hat sich sehr geändert Die Sätze sind meist kürzen Sie sind nicht von der ruhigen Sanftheit der Sätze des ersten Buchs. Sie bewegen sich dramatisch gegeneinander, sind scharf, eckig oft Nicht mehr sind sie in epischer Art ruhig verkettet nach der Logik der Geschehnisse, sondern sie haben Willen, jeder seinen eigenen, und bekämpfen sich. Ausrufe, Fragen, Antworten, ein plötzliches „Du" statt „er" oder „sie" in der Erzählung — hier zeigt sich im Stil, daß nicht allein Keime des Romans, sondern auch des Dramas störend, doch auch verheißend in diesem Novellenbuch lebendig sind. Nicht nur im Stil; maxi denke daran, wie etwa im „Stern" eine Fülle von Personen um die Handlung gruppiert ist, deren widerstreitende Interessen um jedes neue Geschehnis zu einem kämpfenden Knäuel zusammenschießen. Oder wie das erzählende „Ich" in den Geschichten wechselt, so daß in dramatischer Art die Handlung und die Figuren in verschiedenen Personen ganz verschieden gespiegelt sind. Am besten gelungen scheint von diesen Geschichten die „Keusche Nacht", die eine klare Steigerung der Handlung und einigermaßen einheitliches Tempo aufweist Die Leser der Freistatt* kennen indes eine spätere Novelle „Die Krähe", die durchaus sicher novellistisch gestaltet ist, in der eine schöne und bedeutende Fabel in reinen Linien, nur selten noch vom Detail zu sehr belastet, und in einem gespannten, aber nicht nervöshaltlosen Satzstil dargestellt ist. Hier hat die erzählende Kunst Zweigs nach ihrer Erschütterung in den „Novellen um Claudia" eine neue bleibendere Sicherheit gefunden. Für die Entwicklung des Autors freilich sind die Claudia-Novellen, an sich in der Konfession des Erlebnisses stecken geblieben, höchst wesentlich, auch im Stoff: siegten im ersten Buch noch die Hemmungen, so hier der schöpferische lebendige Trieb. Die erste starke menschliche und künstlerische Erfüllung dessen, was in diesen Büchern versprochen war, bringt Zweigs drittes Werk, die biblische Tragödie „AbigaYl und Nabal". Auch hier die Tragödie des „passiven Intellektuellen", der freilich durch eine starke, ja harmonische Persönlichkeit repräsentiert wird. Nabal ist ein Reicher, der auf seinem Gute eine Herrschaft besonderer Art ausübt Sie ist nicht die des aktiven Menschen, der eingreift und regelt, plant und handelt, unter die Macht seiner Persönlichkeit das Widerstrebende zwingt Nabal ist seinem Wort nach ein „Nachdenklicher"; er erkennt das Ge-