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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 452

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Ökonomische Übersicht
Date
1913-11-15
Page
Seite 452 (sequence 4)
Language
German
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ben Mordechai, Der Anteil der Juden usw. 451 das „Recht auf Arbeit", vom Standpunkte der Arbeitersolidarität aus, auch nicht immer einwandfrei waren, so muß man sie doch nicht verurteilen, in Anbetracht ihrer furchtbaren Lage, des schmachvollen Benehmens der nichtjüdischen Arbeiter, nicht selten auch der sozialistischen Teile des nichtjüdischen (hauptsächlich polnischen) Proletariats. Hunger und Not brachten die arbeitslosen jüdischen Weber dazu, die Häuser der reichen jüdischen Fabrikanten zu überfüllen oder den Honoratioren der Stadt die Scheiben einzuschlagen; mit einem Worte, die arbeitslose jüdische Masse wurde eine Gefahr für die Gesellschaftsordnung.*) Jetzt erst widmeten die jüdischen Wohltäter den hungrigen jüdischen Arbeitern ihre Aufmerksamkeit. Anfangs wollte man das wütende Kind mit kleinlichen Almosen beruhigen. Aber der jüdische Arbeiter wandte sich von dieser „sozialen Wohltätigkeit" mit Verachtung ab. „Recht auf Arbeit" lautete die Forderung des jüdischen Arbeiters, mit der die „jüdische Gesellschaft" nolens volens rechnen mußte. Es entstand eine Stimmung zugunsten der jüdischen Arbeiter, welche die jüdische Bourgeoisie beachten mußte. Auch die jüdische Gesellschaft bemühte sich ihrerseits, den jüdischen Webern die Türen der Fabrik zu öffnen. Das war selbstverständlich nicht die einzige Ursache, welche die jüdische Bourgeoisie zu einer Aenderung ihres Verhaltens gegen die jüdische Arbeiterschaft zwang. Das Stückchen Recht, das die Revolution den jüdischen Massen in Rußland gab, schuf jetzt schon aus ihnen eine bedeutende politische Macht, und die jüdische Bourgeoisie beginnt endlich einzusehen, daß ihr politischer Einfluß im Staat nur auf den Massen basieren kann, mit denen man es daher nicht verderben darf. Doch am wichtigsten ist der Umstand, daß die antisemitische Bewegung in der nichtjüdischen Groß- und KleinbourgeoisTe auch die breiten Arbeitermassen vergiftet hat. Dies ist in Streikzeiten besonders fühlbar. Ganz abgesehen davon, daß die christlichen Arbeiter in jüdischen Fabriken für jede Streikagitation viel empfänglicher sind, und daß sie die Signalgeber in allen Streikbewegungen sind, besitzt der Streik in jüdischen Fabriken oft einen ganz anderen Charakter: Es sind in ihm antisemitische Noten vernehmbar, nicht selten sogar ganz offene Drohungen. Gewalttaten gegen jüdische Fabrikanten und Verwalter ereignen sich viel häufiger als gegen christliche.**) Die jüdische Industriebourgeoisie beginnt nun zu begreifen, welch unangenehme Ueberraschungen der Klassenkampf bringen kann, wenn er mit natio- *) Otshet Ob-wa rjemjeslennawo i zjemljedyljtsheskawo truda za 1912 g. **) A. Kotik. Proshloje etc. Auch „Fränt' 1913, Nr. 74. Auch der letzte Streik In den Spinnereien Bialystocks war reich an antisemitischen Elementen.

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