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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 451

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Ökonomische Übersicht
Date
1913-11-15
Page
Seite 451 (sequence 3)
Language
German
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450 ben Mordechai, Der Anteil der Juden usw. essanten Fall: Ein jüdischer Fabrikant in Bialystok wollte seine Fabrik nur mit jüdischen Arbeitern eröffnen und hatte zu diesem Zwecke sogar schon einen jüdischen Meister aus Lodz engagiert Doch die jüdischen Weber wollten in dieser Fabrik durchaus nicht arbeiten, weil der Lohn dort geringer war, als das, was sie auf ihren Handstühlen verdienen konnten*) Dies führte leider dazu, daß die Fabriken mit Dampfbetrieb „judenrein" wurden. Die weitere Entwicklung der Textilindustrie brachte, wie ja vorauszusehen, den Sieg des Dampfüber den Handbetrieb. Von Jahr zu Jahr verringerte sich die Zahl der Handstühle. Trotz der größten Mühe und Anstrengung konnten die jüdischen Handweber ihre Ökonomische Position nicht behaupten. Sie sahen ein, daß der mechanische Webstuhl der einzige Ausweg sei. Aber da stellte sich ihnen ein gewichtiges Hindernis entgegen, und zwar gerade auf einer Seite, wo sie es am wenigsten erwartet hätten: Die christlichen Arbeiter versperrten ihren jüdischen Kameraden den Weg zum mechanischen Stuhl. Die „Judenreinheit", die lange Zeit in den mechanischen Webereien herrschte, hatte bei den mechanischen Arbeitern die Meinung erweckt, der mechanische Webstuhl sei ausschließlich den Christen vorbehalten; sie betrachteten das Eindringen der jüdischen Arbeiter als Grenzverletzung. Nicht nur stießen die ersten jüdischen Arbeiter in mechanischen Webereien auf Spott und Beschimpfungen, sehr oft streikten auch die christlichen Arbeiter, sobald sie erfuhren, daß man Juden in die Fabrik aufnehme. Es kam auch vor, daß die Christen gegen ihre jüdischen „Kameraden" Gewalt anwandten, und daß sie die für die neu gekommenen jüdischen Weber bestimmten Stühle zerbrachen. Dieser Arbeiterhuliganismus wäre nicht so schwer zu überwinden gewesen, hätte nicht die jüdische Bourgeoisie — zu unsrer großen Schande — diese antisemitische Bewegung unterstützt Der Platz verbietet es uns, die Ursache für diese eigentümliche, spezifisch jüdische Erscheinung zu untersuchen. Wir wollen nur bemerken, daß alle Schichten der jüdischen Bourgeoisie an dieser schmählichen Handlungsweise beteiligt waren, von den aufgeklärten Kosmopoliten bis zu den frömmsten Orthodoxen, die Hedad-Nationalisten nicht ausgenommen. „Wir nehmen keine jüdischen Arbeiter" war die gewöhnlichste Antwort, die der jüdische Weber nicht in den christlichen Fabriken — dort klopfte er ja gar nicht an —, sondern in den jüdischen erhielt Die jüdischen Weber waren zu Hunger und Not verurteilt So konnte es aber nicht für immer bleiben. Sie mußten die Wand, die sie von der mechanischen Abteilung trennte, durchbrechen. Und wenn ihre Mittel im Kampfe um *) ibid

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