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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 434

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Wien
Date
1913-11-15
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
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F. M. Kaufmann, Wien 433 schlecht geleiteter Volksversammlungen erheben, dann entsteht die Notwendigkeit „Gründungen" vorzubereiten, damit die berüchtigte Beifallswut der Volksvertreter wenigstens einen Anlaß hat, sich zu entladen. Es ging das ein wenig auf Kosten des alten Heimstätten-Zionismus, mehr als in früheren Zeiten. Der ist zwar eine noch laute und oft lärmende Reminiszenz, aber auf seinem Platz sitzt schon der Nachfolger breit und behäbig — ein neues Gespenst, der Hebraismus. Der Zionismus ist dürr geworden; ein neuer Götze wird feist von seinen Opferspenden. Ziohebraismus. Damit läßt sich nicht gar so viel Staat machen, und die alte volksretterische Phrase mag sich zögernder einstellen. Aber was schadet es? Der Kongreß hat geklatscht. II. Evolution im Zionismus Einige meiner zionistischen Freude — Menschen von Klugheit und Geschmack, jedoch damals beneidenswert naiv gegenüber der „Partei" — hatten es mir übel genommen, als ich vor einigen Monaten der zionistischen Ideologie die Möglichkeit einer Weiterentwicklung abgesprochen hatte. In Wien trafen wir uns. Sie waren dorthin gekommen, wartend auf ein Großes, Erlösendes, Nun fraß in ihnen der Ekel vor der faden Seelenlosigkeit des siebentägigen Treibens. — Etwas war da ins Wanken gekommen, der Glaube an die Geistigen im Zionismus. In steigender Verachtung redeten sie von der Elite des jüdischen Volkes, die dort in Wien sieben Tage lang schwatzend und klatschend „demonstriere". Demonstriere, um sich in der ,Neuen Freien Presse* und bei anderen politischen Mächten bessere als die früheren Zensuren zu holen. Beiläufig fiel dann das Wort: Evolution. Sie scheuten sich, es aufzunehmen. Suchten lange, ob da nicht etwas war, was gegen meine Kennzeichnung der zionistischen Ideologie als einer notwendig (von innerlichen Desorientierungen bedingt) unfruchtbaren spräche. Und dann: die Alljuden hätten keine größere Genugtuung erleben können, als diesen elften Kongreß. Leider — ich gestehe das offen — bin ich von Wien ohne solch Gefühl der Genugtuung geschieden. Ich bin kein Parteimensch, — wie der Arzt zur Krankheit, stehe ich zum Zionismus. Wäre er nicht ein neues Herabsausen der alten Geißel Haskolo auf das Volk, nicht ein gewaltiger Aderlaß, ein mehr als zweckloser, ein gefährlicher und dem Volksorganismus Verderben bringender — ich hätte an ihm nicht mehr Interesse als an anderen Parteien der Westler. So aber kann ich nicht

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