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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 433

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Wien
Date
1913-11-15
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
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432 F. M. Kaufmann, Wien Aus reiner Palästinaliebe gelangt man heute auch nicht zu solchem Plan, Ich kann davon absehen, daß gerade aus den Reihen der Palästinenser, die doch sonst den Oolus nicht ungern für sich bemühen, der schärfste Widerstand wahrzunehmen war. Auch davon, daß man bei sehr vielen der wohlfeilen Argumente den Eindruck erhielt, es handele sich bei dieser Gründung weniger um Sorge für die Juden, als um Abwehr oder gar Assimilierung der — arabischen Intelligenz. Denn wer auch nur ein wenig die verzweifelte Lage des Palästinagebiets überschaut, nicht mit Hedadaugen, sondern sachlich und klar, der hält diese neueste Gründung geradezu für einen Widersinn. Die Motive sind anderswo zu suchen. Einmal verspüren es heute auch die „Praktischen", daß man in Palästina mehr und mehr vor verschlossenen Türen steht. Man wird noch eine Versuchsfarm, noch ein Stadtviertel, noch ein Dutzend Gymnasien gründen — noch ein hebräisches Lehrbuch, eine neue Lichtbilderserie, eine Broschüre herausgeben — aber das alte Dilemma, daß dies alles gar keine Beziehung zum jüdischen Problem hat, daß man so etwas doch nicht Volkspolitik nennen darf, bleibt auch nach dem Sieg der „neuen" Richtung bestehen. So ist man denn gezwungen, zum Galuth herabzusteigen und sich unter seinen Problemen eines auszusuchen, das sich irgendwie ad majorem gloriam der Partei benutzen läßt. Natürlich wählt man dann nicht das drängendste — man kam ja nicht, um den Goluth auf festere Beine zu stellen oder gar sich um lebendes jüdisches Volk zu kümmern. Es genügt, daß sich ein noch so kleines Problemchen für hohe hebraistische Politik ausmünzen läßt; im Namen des Ethos, des Pathos und der Kultur stellt dann schon die objektive Forschung fest, daß hier wirklich ein Notstand vorliegt, dem abzuhelfen die zionistische Organisation auf der Welt sei Anderseits rächt es sich hier, daß die zionistischen Kongresse zu inhaltlosen Schaustücken herabgesunken sind, und die Leitung genötigt ist, alle zwei Jahre das wahrlich nicht geringe Sensationsgelüste der Besucher zu befriedigen. Mit Pathos allein ist doch wenig getan, und so hübsch es sich auch anhört, wenn in diesem merkwürdigen Parlament die Regierung unliebsame Rechnungen mit Idealismus und Hochrufen auf das Hebräische und die Kultur beantwortet, so empfänglich dafür auch die Masse der Volkstribunen ist — auf die Dauer ist das doch eine schlechte Sensation. Trifft es sich dann, wie diesmal, daß ein Parlament der Mittelmäßigkeiten zustande kommt, wie es selbst in der nicht grandiosen Geschichte des Zionismus niemals da war, ein Parlament, dessen Verhandlungen sich selten über das Niveau

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