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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 426

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Krakau
Date
1913-11-15
Page
Seite 426 (sequence 8)
Language
German
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F. M. Kaufmann, Krakau 425 auf einen dieser Punkte konzentriert, nichts wesentliches über die Eignung Palästinas, nur verneinendes über die Palästinagravitation des Qolus ausgesagt. Schlimmer noch; sie haben es gar nicht bemerkt, wie sehr verschieden ihre theoretische Situation von der bürgerlich zionistischen von Anfang an war. Sie gaben sich damit zufrieden, daß auch die Bürgerlichen diese Untersuchungen nicht gegeben haben, bedachten es aber nicht, daß sich ihre Ideologie, seitdem sie eine positive Stellung zur Gegenwart einnahm, auch in der Begründung des Palästinaismus ändern, objektiv werden mußte. Nicht einmal eine originellere Ausgestaltung der Palästinalehre fand statt. Auch das wäre mehr Kompromiß als Wissenschaft, aber doch ein kluges Rücksichtnehmen auf die Verschiebungen in ihrem Oedankengebäude, wenn sie das Verhältnis, die Reibungen und Störungen zwischen Golus- und Palästinaarbeit präzisiert und untersucht hätten, wann die letztere für den Golus eine Stärkung bedeute, wann eine Schwächung oder gar einen Aderlaß. Wer schon in das Dilemma gerät, daß er zwei Herren dienen muß, zwei schlecht verträglichen Herren, noch dazu in verschiedenen Ländern (die Poale-Zion nennen das in einer weisen Selbstironie: gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen), der muß sehr genau feststellen, wieviel Dienste dem und wieviel jenem. Ohne Zweifel gibt es bei den Poale-Zion eine Art Harmonitätslehre, die es absolut wahr wissen will, daß sich beide Arbeiten in jedem Fall ergänzen* Die Lehre ist aber genau so wunschhaft wie alles, was mit ihrem Palästina-Utopismus zusammenhängt Noch niemand von ihnen hat das automatische, harmonische Gleichgewicht zwischen diesen Tätigkeiten herausgefunden. Im Gegenteil, sie selbst haben eine Empfindung dafür, daß getreue, ernste Arbeit am Golus, die mehr ist als Vorbereitung für Palästina, zu einem Kräfteabspannen am palästinensischen Karren führt. Umgekehrt aber, zeigen denn ihre Untersuchungen der verschiedenen Golusprobleme, das Volk habe überschüssige Kräfte für Luxusexperimente, ihm schade nicht dieser beständige Verlust an Kräften und Kapitalien? * Es war nötig, wenn auch in abschweifender Untersuchung, den inneren Widerspruch in der poalezionistischen Ideologie aufzudecken. Aus ihm erklären sich nicht wenig Anomalitäten ihrer praktischen Arbeit. Sie sind in Landsmannschaften organisiert, die in Galizien, Rußland und Amerika tüchtige Gegenwartsarbeit leisten. Deren ernste Arbeit sticht sehr vorteilhaft ab von dem Getue, wie die anderen Zionisten Galuthprobleme erledigen. Sie macht mir die Poale-Zion wertvoller und sympathischer als die meisten jüdischen Parteien und ist wichtig genug, ihr in einem der

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