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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 425

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Krakau
Date
1913-11-15
Page
Seite 425 (sequence 7)
Language
German
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424 F. M. Kaufmann, Krakau gegen das Vorhandensein einer revolutionierenden Geistigkeit bei den Poale-Zion, daß auch ihr Palästinaismus auf diese Fehlerquelle zurückgeht. Umsonst wird man bei ihnen eine grundlegende Untersuchung über die Eignung Palästinas suchen. Was ich an derartigem bei ihnen vorfand, zeigt mir, daß ihre Palästinakenntnis eine nicht minder dilettantische, unkritische, parteimäßige ist, als die der Patentzionisten. Das alles stützt sich auf einige oberflächliche Beobachtungen, ist Werk einer sich nie über die Flachheit wohlfeiler Agitation erhebenden Wissenschaftlichkeit* Die erstbeste tiefschürfende Untersuchung wirft es über den Haufen. Was mir heute an Material vorliegt über die Eignung Palästinas, nicht etwa als das Land normaler jüdischer Entwicklung, sondern — ich bin in meinen Ansprüchen gemäßigt — nur als auch ein Judenland, das spricht in allem einzelnen gegen Palästina. Wer sich gegen die Sprache des Lebens nicht so überlegen und taub stellt wie die Zionisten, der kann heute gar nicht zu einer anderen Beurteilung kommen. Die Eignung für Kolonisation! Zwingt denn nicht ein noch so summarischer Vergleich der nordamerikanischen mit der palästinensischen jüdischen Bauernschaft oder gar das durch und durch pessimistische Resultat der Lewinschen Untersuchung zu einer Verneinung, mindestens zu einer starken Einschränkung? Oder gar die Tculturelle Eignung! Hat man nicht, seit Schefflers Untersuchung, an einer Kolonistenstadt wie Berlin den Miniaturprototyp des Kulturbabels, wie es im günstigsten Falle massenhafter Einwanderung in Palästina entstehen mag? In der weit wichtigeren Frage jedoch, ob die Tendenz des Golus nach Palästina gravitiert, kommen die besseren poalezionisüschen Theoretiker zu Resultaten, die ihren Palästinaismus einfach unterminieren. Gewiß, man kann Locker dazu beglückwünschen, daß er solch klare Beziehung zum Volksleben hat — wirkt aber nicht das, was er über die Verfestigung und Konzentrierung der Golussiedlungen sagt, wirken nicht seine Zahlen, seine Klarlegung der verschiedenen soziologischen Phänomene des Golus wie ein Spott auf allen Palästinaismus? Ich habe da vergebens nach dem Punkt gesucht, wo die Linie der Golusentwicklung oder auch nur eine Teillinie nach Palästina abbiegt. Selbst Locker vermag an den gewaltigen Verschiebungen und Umschichtungen nur eins abzulesen: daß die Ziele des Golus im Rahmen der jetzigen jüdischen Positionen fest verankert sind. So ist denn von poalezionistischer Seite aus jedes Bemühen, dem willkürlichen Palästinaismus willkürlichere Unterlagen zu geben, unterblieben. Ihre theoretische Arbeit hat sich niemals

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