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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 421

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Krakau
Date
1913-11-15
Page
Seite 421 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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420 F. M. Kaufmann, Krakau künstlich und fundamentlos auch ihr Gedankengebäude aufgerichtet ist, in sich ist es geschlossen. Aus der Golus- Verneinung kann sich, trotz ihrem tiefpessimistischen Grundcharaktet ohne allzusichtbare Gewaltsamkeiten der Wunsch und der Wille zu Palästina ergeben. Der Wunsch wird zum Glauben, und der Glaube — zur Wissenschaft „Die schlechtesten Bedingungen in Palästina sind immer noch günstiger als der beste Gallith." Eine Plattheit, gewiß, aber wer an sie glaubt, ist jeden Beweise? für Palästina enthoben, Volkswille, Volkswohlfahrt, Tendenzen der jüdischen Entwicklung, Weiterbildung der historischen Positionen — dies alles ist ihm — Galuth, Null. Selbst aber die wenigen modernen Zionisten, die den Alljuden soweit entgegenkommen, nur eine relative Verelendung anzunehmen, haben einen Ausweg, einen pilpuhstischen zwar, der sie aber des Palästinabeweises enthebt. Sie basieren nämlich die zionistische Bewegung nicht auf die Realität, sondern auf Mystik, auf den Willen zur Unbedingtheit Mag der Galuth sich noch so schön entwickeln, — sie haben ihm entsagt. So brauchen auch sie keinen umfassenden oder gar wissenschaftlichen Beweis für Palästina, brauchen keine objektive Palästina-Untersuchung. Für sie ist es gleich, ob in Palästina alles Zwergbildung bleibt, lebensschwache, den Golus aussaugende Luxusblüte — nur wenn Palästina vom Mittelmeer überschwemmt wird, ist ihre Weisheit, pardon, ihr Wille zu Ende. ~ (Eine andere Sache ist es, wie sie ihren, der Zerrissenen, der Ueberintellektualisierten Willen dem Volkswillen substituieren wollen* Ob sie glauben, daß das Wollen des Unmöglichen sie auch dazu befähigt, ihre müde, verzweifelnde Stimmung dem Volke mitzuteilen, d. h. aus 9 Millionen starker, ungebrochener Golusmenschen solch verzärtelte Subjektivisten und Selbstquäler zu machen, wie sie es sind? Und noch eine Frage ist es, warum sie in zionistischen Dingen, in der eigenen Partei nur sehr bedingt wollen, warum sie sich hier mit Krethi und Plethi soviel besser abfinden, als mit dem Volk, dem Galuth — warum sie nicht ihre Partei gründen? Ob nicht hinter dem allen ein seltsamer* unerhört volksfeindlicher, bourgeoiser Maskilismus, ein Dreiviertel- Entjudetsein steckt?) Für den bürgerlichen Zionisten also mag das alles Willens* sache sein; solange er sich nicht in soziales Leben einstellt, solange der Palästinaismus seine subjektive Laune ist, gibt es da kaum einen inneren Widerspruch- Bei ihm liegt der Widerspruch nicht in der Ideologie^ sondern darin, daß er sie, eine Subjektivisten-, eine Sektenideologie, breiten, ganz anders gearteten Massen aufdrängen will. Solange sie die Phrase vom Volk aus dem Munde lassen, haben sie eine ganz nette, geschlossene

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