Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Morris Rosenfeld
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 387 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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386 S. Niger, Morris Rosenfeld [Dann bricht seine Stimme in Blitze aus, Worte donnern, Funken sprühen, sein Gesang wird zum Gewitter, dröhnt und schallt bebend; Steht auf und werdet frei! — Verlaßt die PestluftI Einigkeit ist eine starke Wehr, Mut ist mächtiger als Waffe und die Menschheit braucht keine Sklaven, Freiheit will die neue Zeit.] Man fragt nicht lange, wie eine „Stimme in Blitze" ausbrechen kann, und wozu man „wafn" mit „shklafn" reimen muß, wenn man schon tausendmal ohne Reime, in ganz prosaischen Broschüren gelesen hat, daß Einigkeit und Mut sehr schöne Sachen sind, — man fragt nicht viel nach Einzelheiten, nach einzelnen Ausdrücken, weil man sich klar ist, kein Gedicht zu lesen, sondern einen Redner zu hören, und von einem Redner verlangt man nur, daß er stark, heiß, herzlich, temperamentvoll spricht, — so wie Rosenfeld einst sang: Man harfe hot amül ggshpilt Yn hot di weit farklyngen, Man gance zele hot gefilt, Man gance harc gezyngen, Man ojg hot alc yn alc gez6n, Man ojer alc farnymen, Man lid iz mit a wildn bren Ba mir arousgekymen. [Meine Harfe klang einst und erfüllte die Welt, meine ganze Seele fühlte, mein ganzes Herz sang, mein Auge sah alles, alles, mein Ohr vernahm alles, mein Lied entsprang aus mir mit wildem Feuer] Man ist nicht sicher, ob sein Auge alles sah und sein Ohr alles vernahm, aber was sein Auge sah und sein Ohr vernahm, das sang er mit Glut, mit wildem Feuer..... Und noch einmal wiederholen wir: Wenn wir vom Gefühl als der lebendigsten Kraft der Rosenfeldschen Dichtung sprechen, dann meinen wir nicht Gefühl schlechthin, das in jeder Lyrik ist, sondern diese feurige Gefühlsglut In weiterem Sinne kann man allerdings doch von Gefühl schlechthin als Charakterzeichen der Dichtung Rosenfelds sprechen. Er wirkt nicht durch Bilder und Gestalten, geschaffen mit der Hilfe der künstlerischen Phantasie. Bilder und Gestalten sind bei ihm sehr abstrakt und verschwommen (dies steht vielleicht mit dem rednerischen Charakter seiner Dichtung in Beziehung). Nur durch das unmittelbare Gefühl wirkt er auf uns, das sein Erlebnis ist, und das er uns übermittelt. Sogar in „Man jingale", wo doch das Bild, der Inhalt selbst: Ein Vater, der nie sein Kind sieht, außer wenn es schläft, auf uns hätte wirken können, sogar dort verstärkt er den Eindruck dadurch, daß er uns immer seine eigenen Gefühle suggeriert Er läßt uns Teil haben an dem süßen Gefühl für sein Kind: „Wenn