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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 386

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Morris Rosenfeld
Date
1913-10-08
Page
Seite 386 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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S. Niger, Morris Rosenfeld 385 Morris Rosenfeld. (Zu seinem fünfzigsten Geburtstage). Von S. Niger. (Schluß.) Ich sagte schon früher, daß in seinen Liedern, auch in den besseren, etwas Deklamatorisches liegt. Das war nicht als Vorwurf gemeint, — ebenso wenn ich jetzt sage, daß in Rosenfeld ein Redner sitzt —, sondern nur als Charakteristik. Es gibt Rednerdichter, warum soll es nicht auch Dichterredner geben? Wen 6s shwebn wolkns-trer'n Yn in himl shänt kejn shter'n, Ale iz finster yn fartrouert Yn der shwarcer eint louert Of der menshhait nünt yn wät. Wen di weit iz fyl mit wejner, Yn fyn touznt lebt nor ejner, Ym a touznt cy farshlinggn — Dan, ot myz der dichter zingen Lider fyn a näer cät. — [Wenn Tränenwolken schweben, und am Himmel kein Stern strahlt, alles in finstrer Trauer liegt, überall das schwarze Elend auf die Menschheit lauert; wenn die Welt voll Weinens ist und von Tausenden nur einer lebt, um Tausende zu verschlingen — dann muß der Dichter Lieder von einer neuen Zeit singen.] Wenn man einen solchen Satz liest (und man liest ihn bei Rosenfeld sehr o f t), muß man zugeben, daß das eine rednerische Ausdrucksart ist, obwohl sie ohne Zweifel poetisch ist. Und wenn man einen solchen Satz gelesen hat, der ganze zwei Strophen füllt, — dann erscheint es nicht mehr als leeres Geschrei, sondern als heiße, feurige Rede voll Leidenschaft, wenn man hört, wie der Dichter weiter deklamiert: Dan brecht ous zan shtim in blien, Werter dyner'n, fynkn shprien Zän gezang wert a gewiter, Hilcht yn Ijargmt mit a citer: Hejbt zech yf yn w6rt bafrät! Gejt arous fyn der farpestyng! Achdes iz a shtarke festyng, Mut iz mechtiker wi wafn Yn die menshhait darf kejn shklafn, Frähait wil di nae cat.

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