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Die Freistatt · 1913-10-08 · Heft 6-7 (8.10.1913) · p. Seite 358

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 6-7 (8.10.1913)
Article
Die jüdische Farmerbewegung in Nordamerika
Date
1913-10-08
Page
Seite 358 (sequence 3)
Language
German
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Dr. K. Farnberg, Die jüdische Farm erb evvegung usw. 357 später, 1891, in Woodbine durch den Baron Hirsch-Fonds unternommen. Es entstand hier ein hübsches jüdisches Städtchen, aber 1905 gab es unter 1900 Einwohnern nur noch 20 Familien, die ah Farmer lebten. Einen ähnlichen Mißerfolg haben spätere Versuche aufzuweisen, die Farmerei mit Sommerfrische und Hotelwesen zu vereinigen, so daß heute der jüdische Farmer mehr und mehr diesen Experimenten entsagt Der Stand der neuen Farmerbewegung: Der Mißerfolg der ersten Kolonisationsversuche lähmte alle weitere Initiative; in den neunziger Jahren ist es den meisten eine unerschütterliche Tatsache, daß eine jüdische Bauernschaft in Amerika nicht entstehen könne. Erst vor zehn Jahren ändert sich das, und vor sieben, acht Jahren kommt es zu neuen, ganz eigenartigen Siedlungsversuchen. Seit dieser kurzen Zeit ist der jüdische Farmer zu einem wichtigen Element der immigrierten Bevölkerung geworden; bedenkt man, wie rapide und stark sich diese jüdische Bauernschaft entwickelt hat, so muß man für die Zukunft ganz Bedeutendes von ihr erwarten. Nach der Schätzung von Herrn Leonard Robinsohn, des Präsidenten der judischen Agrikulturgesellschaft, gibt es heute 5000 Familien jüdischer Farmer in den Vereinigten Staaten; d. h. an die 25 000 Menschen, die sich auf 4 600 Bauernstellen verteilen. Es gehören ihnen ca. 60000 Acres. Der Gesamtwert der Farmen wird von Robinsohn auf 140 Millionen Mark angegeben. Davon entfallen nur drei Millionen Mark, 2,2 Proz. des Gesamtwertes, auf Unterstützungsgesellschaften. Das sind absolut genommen gar keine kleinen Zahlen; noch bedeutsamer erscheinen sie, wenn man sie einerseits mit denen der jüdischen Bauernschaften anderer Länder, andererseits mit denen der jüngst immigrierten Nationen vergleicht. Für die beiden anderen Länder, in denen in den letzten Jahrzehnten unter großen Anstrengungen und gewaltigen Geldopfern jüdische Kolonien entstanden sind, gelten folgende Zahlen: In Palästina lebten 1911 in allen 41 Kolonien mit ihren 79,072 Acres Land ca. 9500 Menschen; in Argentinien 1910 ungefähr 4000 Familien jüdischer Bauern, d. h. 21115 Menschen. Nun darf man nicht vergessen, daß in Palästina 90 Prozent der ganzen Siedlung durch langjährige und kostspielige philanthropische Unterstützung erst ermöglicht würde und in Argentinien gar alle 100 Prozent. Dagegen sind in den Vereinigten Staaten mindestens 90 Proz. aller Farmen durch die Initiative der Ansiedler selbst und durch ihre eigenen Kapitalien aufgetan und betrieben worden.

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