Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6-7 (8.10.1913)
- Article
- Die jüdische Farmerbewegung in Nordamerika
- Date
- 1913-10-08
- Page
- Seite 359 (sequence 4)
- Language
- German
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358 Dr. K, Farnberg, Die jüdische Farmerbewegung usw. Dehnen wir den Vergleich auf die anderen immigrierten Nationen aus, so nehmen wir bei denen, die schon längst im Lande sind, bei den Deutschen, Norwegern, Dänen und Franzosen einen sehr starken Prozentsatz von Bauern wahr Anders bei den Nationen, deren Massenimmigration zugleich mit der jüdischen einsetzte. Unter Italienern ermittelte die Einwanderungskommission 4142 Farmerfamilien, die sich über 13 Staaten verteilen. Die Polen, deren Immigration am meisten einen bäuerischen Charakter aufweist, haben in 11 Staaten 47 Kirchengemeinden, mit einer bäuerischen Bevölkerung von 6 219 Familien. Außer zwei slowenischen Gemeinden ermittelte die Kommission einzelne lettische, ungarische, russische und österreichische Siedlungen. Hierbei ist zu beachten, daß die italienische Immigranten-Bevölkerung um das Doppelte, die polnische in jedem Fall bedeutend stärker ist als die jüdische, und daß alle hier angeführten Nationen von ihrem Mutterlande her weit mehr mit der Landwirtschaft verknüpft, also von vornherein geeigneter waren als die Juden, die vielen Schwierigkeiten, die in den ersten Jahren der Ansiedlung unvermeidlich sind, zu überwinden. Dennnoch hat sich die Farmerei unter den Juden, im Vergleich zu den anderen Nationen, unverhältnismäßig stark und günstig entwickelt. Die Ursachen der Farmerbewegung: Es ist kein Zweifel, daß immer breitere Schichten der jüdischen Großstadtbevölkerung von der neuen Bewegung ergriffen werden, und daß diese heute schon eine enorme Stoßkraft besitzt Das war aber nur deshalb möglich, weil die amerikanische Großstadt auf diese Massen eine gewaltige, abstoßende Wirkung ausübt. Die Zusammenpferchung, die lange und schwere Arbeit in den Werkstätten, das ununterbrochene Hasten und Jagen ruft in den jüdischen Massen eine unbezwingliche Sehnsucht nach dem Land hervor. Diese zum Lande treibende Wirkung der großen Stadt läßt sich auch zahlenmäßig nachweisen. Von 24 Familien, die in Chesterfield (Connecticut) wohnen, kamen 22 von New-York. Unter ihnen waren 8, die aus landwirtschaftlichen Berufen stammten, alle übrigen Handwerker, Arbeiter, Händler und sogar Mlamdim (Lehrer). Sie alle hatten in der Großstadt ihr gutes Auskommen. Von 34 Familien in Hallstown gab es keine einzige, die früher der Landarbeit nahestand. Auch sie hatte das Mißfallen am städtischen Leben auf das Land getrieben. Die 600 Familien, die im Bergland des Staates New-York als Farmer leben, stammen ausschließlich von New-York, wo sie sich als