Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Ch. N. Bijalik. Poez[i]e͏̈ (Lider yn poeme͏̈n). Farlag "Progres". Warshe͏̈ 673 [Rezension]
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
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834 Bücherbesprechungen. Dortn efn zech gur a nit weit, AI& büdt zech dort in a jam fyn licht. Fyn ir fyterfas kykt di zyn yn kwelt, Wi dös grezl wakst, wi der worem kricht. GancS weltn gaist gist in mir arän Jeder shtiler blüz, jeder zynenshtral; Mit dem fyln moul trink ech lyft yn shän Yn in harcn tif efnt zech a kwtd — — {„Dort öffnet sich eine neue Weit, alles ist dort in ein Meer von Glanz getaucht. Von ihrem Sitze sieht die Sonne voll Freude, wie das Gräslein wächst, wie das Würmchen kriecht* — Ganze Welten von Geist ergießt jeder leichte Wind, jeder Sonnenstrahl in mich; mit vollem Munde schlürfe ich Luft und Glanz, und tief im Herzen entspringt ein Quell.) In manchen Gedichten erscheint sogar eine ruhige Kraft, die sich deutlich von der oben hervorgehobenen Macht, die auf die Verzweiflung zurückgeht, unterscheidet: Ober ech, ech her kejn weit nisht, Ech cyshpilje dt kapote, Yn ech lojf of Gots barüt, Tancn mit a shtral in blote. Mir gefeit der erew friling Dawke wi er s h t e j t y n g e j t, Ungetyn in shmates-wolkn, Mit a goldenem shtral banejt Ech hob lib zän kaltn wint, Wüs er patsht in halz yn akn, Wen fyn for'nt kyshn, hluben Zise wintlech mäne bakn. [Aber ich, ich höre nicht auf die Leute, ich Öffne den Rock und laufe auf gut Glück, mit den Strahlen in den Pfützen zu tanzen. — Mir gefällt der Vorfrühling, just so wie er ist, in Fetzenwolken-Kleidern mit goldenen Strahlen benäht. — Ich liebe seinen kalten Wind, der mich in den Nacken schlägt, während von vorne süße Winde meine Wangen küssen unnd kosen.] Das Bild Bialiks kann hier nicht erschöpfend, sondern sollte nur nach dem vorliegenden Bande kurz gezeichnet werden. Dieser Band, der auf der Hälfte von 135 Seiten die wenigen, schon früher veröffentlichten Gedichte Bialiks gesammelt enthält, — die zweite Hälfte umfaßt von andern vorgenommenen Uebersetzungen mehrerer seiner hebräischen Gediehet — kann infolgedessen vielleicht gar keinen vollständigen Begriff vom Dichter geben. — Fs soll hier nicht untersucht werden, ob z. B. der Umstand, daß in diesem Bande von jener unmittelbarsten Form der Lyrik — von Gedichten nämlich, deren Gegenstand der Dichtende selbst ist, nicht nur der Abglanz seines Wesens — nur wenig zu finden ist, ob dies dafür spricht, daß das hebräische Dichten für Bialik den seiner Art gemäßen Ausdruck bedeutet Es soll auch nicht näher nachgeforscht werden, ob er mit diesem Ausdrucksmittel objektiv am meisten