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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 317

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Noch einmal Ost- und Westjudentum
Date
1913-08-22
Page
Seite 317 (sequence 3)
Language
German
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316 Mathias Acher, Noch einmal Ost- und West Judentum. noch gar nichts über das Wesen und die Grenze der behaupteten Eigenart aussagt, ist wohl kaum ein Widerspruch möglich, und, wie ich glaube, auch von keiner Seite erfolgt. Alle Juden, die außerhalb dieser Gruppe stehen, kennen und anerkennen sie in ihrer Besonderheit und Einheit. Und es ist bezeichnend, daß sie diesen Blick auch dann nicht verlieren, wenn sie, was bei näherer Bekanntschaft mit Notwendigkeit geschieht, die Unterarten dieser Hauptart zu unterscheiden lernen. Man zeige mir doch z. B. einen deutschen Juden, der gegenüber polnischgalizischen, litauischen und südrussisch-rumänischen Juden, sowie deren aller amerikanischer Spielart nicht das Empfinden hätte, daß sie zusammen doch wieder eine Gruppe bilden, die nicht die seinige ist. Für diese nicht hinwegzuleugnende, notorische Gruppeneinheit ist jetzt die Bezeichnung Ostjuden ziemlich allgemein in Gebrauch. Sie ist sicherlich nicht ideal und wird insbesondere durch die Wanderungen immer mehr desavouiert. Aber da sie, wie alle Namen, im Grunde eine Konvention ist, können irgendwelche aus dem Wesen der Sache fließende Einwendungen gegen sie nicht erhoben werden. Die ostjüdische Besonderheit würde nicht so leicht erkannt und nicht tatsächlich so widerspruchslos anerkannt werden, wenn es nicht zwei große Kategorien gäbe, durch die und in welchen sie eben zur absoluten Sichtbarkeit gelangt: Religion und Sprache. bearbeiten ließ und den Mitgliedern der Brüsseler Konferenz überreichte) die Zahl der Juden in Rußland trotz der Auswanderung, wegen der „sehr hohen Geburtenziffer" und „verhältnismäßig niedriger Sterbeziffer" auf 5 687 000. Das* bedeutet nach derselben Schätzungsmethode für 1913 rund 6 Millionen. Oalizien und Bukowina haben eine Million längst überschritten, Rumänien hat ungefähr 300000 Juden. Die ostjüdische Bevölkerung von Amerika wird mit 1 500 000 gewiß nicht überschätzt. Unter den Juden Ungarns gibt es mindestens 100 000, die den Ostjuden zuzuzählen sind. Für England, Kanada, Palästina, Südafrika und Argentinien wird man mit einer Oesamtziffer von 350 000 sicher nicht zu hoch greifen* Und für die anderen Länder der Erde (man denke nur an die stattlichen Zentren in Frankreich, Belgien, Westösterreich, Deutschland!) kann man, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, ruhig 250 000 annehmen. So ergibt sich eine Gesamtsumme von 9x/2 Millionen, Rechnet man aber von dieser alle diejenigen ab, die nur noch dem Gebnrtsr lande oder dem Abstammungsmilieu nach mit dem Ostjudentum zusammenhängen, an seiner Kulturindividualität aber nicht mehr beteiligt sind, und veranschlagt die Zahl dieser Entfremdeten, von denen noch die Rede sein soll, mit übertriebenem Pessimismus auf eine halbe Million, so verbleiben noch immer 9 Millionen,

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