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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 316

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Noch einmal Ost- und Westjudentum
Date
1913-08-22
Page
Seite 316 (sequence 2)
Language
German
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Mathias Acher, Noch einmal Ost- und West Judentum. 315 abgesteckt worden. Die subjektiven und ein Teil der objektiven Voraussetzungen waren also ganz danach, Unwissenheit, Verkennung und Verdrehung bis auf einen kleinen Rest auszuschließen. Und doch gibt es noch mehr als genug davon. Da sind Hunderte von tüchtigen und ehrlichen Leuten, die in der Praxis meist schon als Erkenner handeln, den tiefsten Zusammenhängen nach auch in der Theorie es sind, aber doch an irgend einem Punkte ihres Denkprozesses versagen und dann genötigt sind, Gefahren zu wittern, wo keine sind, und Gefahren zu vernachlässigen, die sehr böse werden können. Und Hunderte andere, mit herrischem Eigenwillen und scharfem Verstände, brauchen beide, um sich die Dinge kunstfertig so zu ordnen, daß sie nach ihrer Gruppenangehörigkeit und mit ihren Wünschen dabei nicht zu kurz kommen. Wieder andere, auch geborene Feinde der Erkenntnis, um die es sich hier handelt, kommen ihr merkwürdig weit entgegen, um im letzten Augenblicke Luftstöße auszuführen, die die zuschauende verblüffte Menge für echte Stöße nimmt. Und schließlich marschieren noch die fanatischen Draufgänger auf, die weder von scheinbarem, noch von aufrichtigem Entgegenkommen wissen wollen, vielmehr in ihrer „Voraussetzungslosigkeit" und ihrem „Freimut" einfach progromartig auf Tatsachen herumtreten. Nach diesen Bemerkungen wird mir wohl niemand die Absicht einer schnellen Bekehrung zumuten, wenn ich nun versuche, noch einmal die Grundlinien und die Grenzen zu bestimmen, nach dem und innerhalb derer der Gegensatz zwischen Ost- und Westjudentum wirkt. Ich folge einfach dem Bedürfnis, wieder einmal Zeugnis für dieses Erkenntnisgut abzulegen, und damit es auch dagegen zu schützen, daß es bei seiner stoßweisen Akzeptierung durch alle die Widersacher nicht gar zu kreuz und quer und wund gestoßen werde. Die Juden des slavischen Osteuropa, einschließlich Rumäniens, haben sich zu einer eigenartigen jüdischen Gruppe herausgebildet, die nunmehr, infolge der großen Wanderungen der letzten Jahrzehnte, auch an manchen Punkten des mittleren, westlichen und südlichen Europa, sowie Afrikas und Asiens, namentlich aber des nördlichen und südlichen Amerika, ihre größeren und kleineren Konzentrationen hat und acht bis neun Millionen zählt.*) Gegen diese Feststellung als solche, die *) Nach der Volkszählung von 1897 beträgt die Zahl der russischen Juden 5 215 500. Für das Jahr 1906 schätzt die Schrift „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland" (welche das zionistische Aktionskomitee auf Grund des amtlichen statistischen Materials von dem unter Leitung des Dr. A. Ruppin stehenden Bureau für Statistik der Juden zu Berlin

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