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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 310

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 310 (sequence 15)
Language
German
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I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 309 dessen Bedürfnisse und Ansprüche unverhältnismäßig höhere sind. So stellt denn der jüdische Pflanzer genau so wie der jüdische Kolonist, mehr und mehr ausschließlich arabische Arbeitskräfte ein. Anfang 1912 arbeiteten in den jüdischen Kolonien an die 8000 Arbeiter; von denen waren höchstens 600 Juden, alle übrigen — Araber. So überwiegt nicht nur im Umkreis der Kolonien, sondern in ihnen selbst mehr und mehr die arabische Bevölkerung, Die Zukunft einer solchen Siedlung, deren Arbeit fast gänzlich in fremden Händen liegt, wird für die Juden immer unsicherer. Wichtiger aber ist dies, daß es unter diesen Bedingungen unmöglich ist, in Palästina einen entwicklungsfähigen Jischuw zu schaffen. Es ist doch kaum anzunehmen, daß sich eine beträchtlichere Anzahl vermögender Juden bereit findet, ihre paar Tausend Rubel in eine Feldwirtschaft usw. hineinzustecken, selbst den Boden zu bearbeiten und sich mit den geringen Erträgen zu begnügen. Die Kolonisten, die überhaupt für Palästina in Betracht kommen, sind entweder kapitalkräftige Leute, die ihr Geld in Kulturen anlegen wollen, genau so wie in einem anderen Geschäft, um davon möglichst viel Zinsen zu erhalten. Oder es sind Juden, die im Golus ihr Beruf nicht mehr ernährte, und deshalb auswandern mußten; sie stellen es sich als Ideal vor, in Palästina eine selbständige Wirtschaft zu erwerben. Im ersten Fall, wenn jüdische Kapitalisten ins Land kommen, werden sie keine jüdischen Arbeitskräfte nehmen, und dann ist die ganze Jüdischkeit der Kolonisation in Frage gestellt; genau so, wie der belgische Charakter der Industrie in Südrußland ein illusorischer ist, trotzdem dort in der Hauptsache belgisches Kapital arbeitet. Der zweite Fall ist überhaupt ausgeschlossen. Sich in der Landwirtschaft selbständig machen, das verlangt in jedem Falle, auch dann, wenn die Kolonisationsgesellschaften dabei helfen, ein gewisses Kapital. Solches kann der Arbeiter nur dadurch erlangen, daß er es sich allmählich abspart. Infolge der arabischen Konkurrenz sind aber die Löhne derart gedrückt, daß davon keine Rede sein kann. Das Gleiche gilt für die Söhne der Kolonisten, Die können sich nicht atff dem Gut ihrer Eltern niederlassen, auf dem findet kaum eine Familie ihren Unterhalt. Geld absparen und damit den Kindern eine neue Landwirtschaft einrichten, ist den Eltern unmöglich. Ihre eigene Arbeit aber bringt den Kolonistensöhnen gar wenig ein. So müssen sie, kaum herangewachsen, aus Palästina emigrieren. Viele von ihnen, die voraussehen, daß ihnen nur die Auswanderung übrig bleibt, haben gar kein Interesse daran, die Landwirtschaft zu erlernen. So hat jeder Kolonist, der in Palästina angesiedelt wird, nur als Einzelperson zu gelten, nicht

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