Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 308 (sequence 13)
- Language
- German
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L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, 307 (Hier folgt im Original ein größerer Absatz, in dem der Autor das Klima und die für das Land typischen Krankheiten, sowie ihren hemmenden Einfluß auf das Vorwärtskommen der Ansiedler behandelt. Er gibt dann folgendes Resume:) Unter diesen Bedingungen steht die Arbeit in den Kolonien. Ist die Natur dem Kolonisten das ganze Jahr über freundlich, und er hat günstige Regenzeiten, und rechtzeitig gesät, — ist er mit seiner Familie von Epidemien verschont geblieben, und kein Arbeitstier ist gefallen, dann ist die Ernte groß genug für ein ganzes Jahr; vorausgesetzt, daß er rationell zu arbeiten wußte, und ihn kein äußeres Unglück, z. B. von seiten der Araber traf. Fehlte aber eine der erwähnten Bedingungen, dann ist der Kolonist nicht gewiß, ob er nur das nötige Brot für das ganze Jahr haben wird. Und ereignet sich dieser oder jener Unglücksfall einige Jahre nacheinander, dann kann sich der Kolonist überhaupt nicht mehr herausarbeiten. Dies nun ist charakteristisch für die palästinensische Wirtschaft, daß sie, wenn alle Bedingungen günstig waren, in den guten Erntejahren nur das Nötigste zum Leben einbringt, und daß es selbst im besten Jahr fast unmöglich ist, Ersparnisse für schlechte Zeiten zu machen. In diesen muß der Kolonist Schulden machen, die er fast niemals abzahlen kann, und das ruiniert allmählich seine Wirtschaft. C. Die sozialen Bedingungen der Kolonisation. 1. Die Bevölkerung. Es gibt keine genauere Bevölkerungsstatistik über Palästina. Man berechnet die Einwohnerzahl auf 800000 Seelen, die Zahl der Juden auf fast 100000 (12—13 Prozent), und die der Araber (ohne die, welche mit ihren Herden herumziehen) auf 650 000. Die Beziehungen zwischen Arabern und Juden wechseln, je nach dem Größeverhältnis der jüdischen Bevölkerung. In Peßach- Tikwo, Rischojn und R'chojwojs, wo die Juden die Macht haben, zeigen sich die Araber nicht agressiv, und die, welche bei den Juden arbeiten, sind sehr unterwürfig. Ja, hier treiben die jüdischen Arbeitgeber oft allzusehr den Herrenstandpunkt heraus und behandeln den Araber häufig sehr unklug. In Galiläa da* gegen, wo die jüdische Siedlung dünner ist, zeigen sich die Araber bei weitem feindseliger. Besonders dann, wenn der Kolonist seinen Boden beim Effendi kaufte, und die arabischen Kleinpächter das Land räumen mußten. Diebstähle, Räubereien