Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 307

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 307 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119807-3120546--0527-3120654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

306 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. der dortigen Armut nicht wenig bei. In den Kolonien gibt es ein Wort: man dürfe von den Hausvätern für die Familie nichts weiter fordern als das nötige Brot. Das heißt, man ist damit zufrieden, wenn die eingebrachte Ernte dazu langt, die Abgaben an die Regierung und den Zins an die Kolonisationsgesellschaft usw. zu entrichten, und dann, nach Abzug des Arbeitslohns an die Arbeiter, dem Kolonisten außer Saatkorn und Futter für die Arbeitstiere genug Weizen bleibt, um das ganze Jahr nur Brot im Hause zu haben. Für Milch, Fleisch, Gemüse und Eier muß die Frau in der Hauswirtschaft absparen. In Palästina ist aber die Hauswirtschaft sehr schwach entwickelt Daran sind zu einem gewissen Teile die Kolonisten und ihre Frauen selbst schuldig, zum größten Teil aber die äußeren Verhältnisse. Diese machen es unmöglich, daß eine Feldwirtschaft ihren Mann ernährt, und die Kolonisten sind von Zeit zu Zeit gezwungen sich durchzuhungern. In allen Kolonien, die sich ihr Wasser aus Brunnen beschaffen müssen, finden sich keine Gemüsegärten vor. Denn das Brunnenwasser reicht gerade für Mensch und Vieh; die Brunnenbohrung ist aber sehr kostspielig und rentiert sich nicht für Anlage von Gemüsegärten. Dort, wo die Kolonisten Quellwasser zur Verfügung haben, ist das nur im Winter während der Regenzeit reichlich vorhanden; im Sommer reicht es meistens kaum zur Viehtränke. So wird man in den Kolonien vergeblich nach Sommergemüse ausschauen. Höchstens in Ekron findet man davon, und nur in Methula gibt es einen Gemüsegarten. So muß der Kolonist den größten Teil des Jahres sein Grünzeug beim Araber kaufen und seine Kartoffeln von Rußland her beziehen. Wie nachteilig dies Fehlen von Gemüsezucht auf die Wirtschaft des Kolonisten einwirkt, sahen wir bereits. Gewiß ist das Klima des Landes für die meisten Gewächsarten ein günstiges; nur leidet das Land an großer Wasserarmut Die absolute Regenmenge ist ja nicht gering; bedeutender als z. B. in Deutschland. Die Regengüsse dauern aber nur kurze Zeit, und sind ungewöhnlich stark, so daß nur ein kleiner Teil dem Boden zugute kommt, dagegen das Meiste die Wadis anschwülen macht und ins Meer abfließt. Das unregelmäßige Auftreten der Regenzeit übt dazu eine sehr ungünstige Wirkung aus auf den Stand der Saaten. Hat man gleich nach dem ersten Regenfall die Saat gestreut, und der weitere Regen setzt eine Zeitlang aus, so geht die Saat nicht auf, und der Bauer muß ein zweites Mal säen. Ist aber der Kolonist mißtrauisch, hat dem ersten Regen nicht vertraut, und der zweite Regen hat sich verzogen, so geschieht die Aussaat zu spät — und das wirkt nachteilig auf die Ernte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.