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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 306 (sequence 11)
Language
German
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I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 305 von der Mistfrage das weitere Los der palästinensischen Kolonisation abhängig macht. Diese Frage aber steht, wie wir bereits sahen, in engstem Zusammenhang mit einer anderen: der nach dem Stand der Viehzucht in Palästina. 3. Viehzucht. Den Kolonisten gilt die Viehzucht nicht als besondere Erwerbsquelle. Schuld an ihrem Tiefstand tragen nicht nur die häufigen Seuchen; der Mangel an Weide ist oft noch verhängnisvollen Nur zwei, drei Monate lang (im Adar, Nißon und manchmal im Schwat und Ijor) gibt es gute Weide. Weniger gute wächst in weiteren 2—3 Monaten, und mit dem Tamus, wenn die Sonne das Land dörrt, hört es damit auf. Dann fangen die Kühe an zu hungern, bis in den Teiwes hinein, wenn das Gras wieder wächst. Während der guten Jahreszeit geben die Kühe täglich IV2 bis 3 Liter Milch. Aber Mitte Sommer schon ist es nicht rnöglieh, in den Kolonien ein Qlas Milch zu erhalten. Die Kühe sind dann nur noch Haut und Knochen. Der Kolonist kann ihnen kein Stallfutter geben. Pferde und Arbeitsochsen fressen die ganze Streu; oft gibt es auch für die nichts. Von Heu sieht man in ganz Palästina nichts. Nur in Beß-Gan und in Sedschera wuchs einigemal das Gras hoch genug, um davon Heu zu schneiden. Wiesen mit künstlischer Bewässerung, von denen sich das ganze Jahr hindurch Heu schneiden läßt, kann man in Palästina nicht anlegen. Man ist meistens froh, für wichtigere Dinge genug Wasser zu haben. So ist es heute unvermeidlich, daß das Vieh monatelang hungert. Trifft es sich, daß der erste Regen ausbleibt, und das neue Gras zu wachsen aussetzt, dann fallen die Kühe zu Hunderten. Noch schlimmer ist es, wenn ein kalter Winter eintritt, wie es vor zwei Jahren war; dann krepiert das Vieh vor Hunger und Kälte. Zu diesem Mangel kommt die Häufigkeit der Seuchen. Fast regelmäßig — alle sieben Jahre — tritt der Adlan auf und vernichtet die Herden. Auch in den übrigen Jahren fällt viel Vieh an anderen Krankheiten. In Kastinie z. B. besaß eine Zeitlang jeder Kolonist eine Anzahl Kälber; heute findet man sie nur noch bei zweien. Unter solchen Umständen ist eine beträchtliche Viehzucht für Palästina ausgeschlossen. Auch für Geflügelzucht sind die Bedingungen sehr ungünstig. Nur an wenigen Orten haben die Kolonisten genug Eier und Geflügel zu eigenem Gebrauch. Meistens fehlt es daran, wie auch an Milchprodukten und Gemüse, das ganze Jahr hindurch, und dieser Mangel trägt zu

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