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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 305

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 305 (sequence 10)
Language
German
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304 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. Wir sehen, nach dem Weizenertrag läßt sich die jüdische Kolonisation nur mit Rußland vergleichen — nach dem Gersteertrag nur mit Rußland und Argentinien, Länder höchst extensiver Wirtschaftsweise. Bedenkt man nun, daß die Bedürfnisse des jüdischen Kolonisten bei weitem anspruchsvollere sind als die eines russischen Bauern, und die Ausgaben bei der Bodenarbeit in Palästina unverhältnismäßig hoch, so hat man eine der Hauptursachen für die Armut der jüdischen Kolonisten erfaßt Läßt sich der Ertrag des palästinensischen Bodens steigern? Gegenüber der arabischen Bodenarbeit haben die Kolonisten ihre Erträge ganz bedeutend zu steigern vermocht. Aber nur dank ihrem Raubbausystem. Die eigenartige primitive Ackermethode des Felachen nutzte nur die oberste Humusschichte aus; so konnten die Araber auch ohne zu düngen, so viele Jahrhunderte ihre kleinen Erträge erzielen. Als in den jüdischen Kolonien der europäische Pflug eingeführt ward, wurden die tieferen Humusschichten ausgesogen, und die Erträge stiegen bedeutend. Weil aber die Juden dem Boden keinen Dünger zuführen, magern sie ihn in einem ganz anderen Maße aus als der Araber, und das drängt zur Katastrophe. Denn es gibt nur ein Mittel, den Boden zu höherer Leistung zu bringen, ohne ihn zu schädigen: ihn düngen. Die Mistfrage aber ist für Palästina brennend geworden. Die meisten Kolonien bemisten ihre Felder überhaupt nicht. Seitdem die Araber anfingen, sich der großen Düngermassen, die sich seit Jahrhunderten neben ihren Dörfern anhäuften, für ihre eigene Wirtschaft zu bedienen, ist selbst in Rischojn und Peßach Tikwoh eine große Kalamität entstanden. Noch schlimmer trifft dieser Mistmangel die Pflanzüngskolonien. Stellenweise hat man chemischen Dünger einzuführen versucht Der ist aber für die Feldwirtschaftkolonien wertlos; einmal lassen sich für solch große Landflächen kaum gültige Analysen herstellen (und ohne solche ist chemische Düngung wertlos); dann aber kann in der nächsten Zeit keine Rede davon sein, solch schwere Lasten wie Dünger in Orte zu transportieren, die abseits der Hafenstädte liegen. Die beste Düngersorte aber, den natürlichen Mist, besitzen die Kolonien nicht, und sie können ihn nicht besitzen. Denn die Bedingungen für Viehzucht sind, wie wir sehen werden, in Palästina die denkbar schlechtesten. Außerdem ist der Kolonist gezwungen, sein bißchen Vieh die meiste Zeit aus dem Stall zu treiben, auf die Berge und, wie das in Palästina erlaubt ist, auf fremdes Land. Darum geht auch dieser Dünger seinem eigenen Acker verloren. Man übertreibt also nicht, wenn man

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