Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 302 (sequence 7)
- Language
- German
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I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 301 Welt da draußen von dem glänzenden Stand der palästinensischen Kolonisation. Eine andere Tatsache zeigt es noch deutlicher, wie unsicher und erfolglos die bisherige Kolonisation gewesen ist Die verschiedenen Kolonisationsgesellschaften, die im Lande tätig sind (Jca, Chowewe-Zion, P. L. D. Cf), haben noch keine bestimmte Kolonisationsmethode herausgearbeitet Es gibt keine Tradition in der Siedlungsarbeit, die man dem Einwanderer empfehlen könnte. Darum sind die verschiedenen Organisationen noch immer auf der Suche und wechseln so häufig das Siedlungssystem. Ob diese vielen Versuche dazu führen, daß eine entwicklungsfähige Siedlung in Palästina sich aufbauen kann, das wird die Zukunft lehren. Die heutige Siedlung jedenfalls vermag es nicht, ungeachtet der zehnfachen Millionen, die in sie hineingesteckt wurden, auf eigenen Füßen zu stehen, noch hat sie die Kraft, sich weiter auszubreiten. Ein beträchtlicher Teil von ihr zeigt schon deutliche Verfallssymptome. Woran liegt die Schuld? Meistens sucht man die in einer einzigen Richtung* Die Ica-Verwalter schieben sie auf die Kolonisten, die ihre Arbeit von arabischen Kräften erledigen lassen, statt selbst Hand anzulegen. Die Kolonisten dagegen beschuldigen die Ica-Verwaltung, die zu früh ihre stützende Hand den einzelnen Wirtschaften entziehe, oder aber dann helfe, wenn alles zu spät Die Zionisten wiederum beschuldigen die Regierung mit ihren enormen Steuern und ihrer Machtlosigkeit gegenüber den Arabern. Mit solch einseitiger Beantwortung wird man aber der Frage nach den Ursachen des Mißerfolges der jüdischen Kolonisation nicht gerecht Man übersieht dann, daß es viel stärkere Gewalten sind, die hier die Entwicklung beherrschen. Diese äußeren Bedingungen der Siedlung, die wir in natürliche und gesellschaftliche scheiden, sollen im folgenden dargelegt werden. B. Die natürlichen Bedingungen der Kolonisation. 1. Boden und Bodenpreise. Vom palästinensischen Boden — ca. 27000 qkm — sind drei Vierteile bergiges Land, und nur ein Viertel ist Ebene. Ob die Berge jemals wieder in einen anbaufähigen Zustand gebracht werden können, das ist sehr fraglich. Seitdem die Terrassenanlagen, die sich vor Jahrtausenden als großartiges Bewässerungssystem über sie hinzogen, zerfallen sind, hat der Regen die Humusschichte zu Tal geschwemmt und den Boden kahl gewaschen.