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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 301 (sequence 6)
Language
German
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300 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina* läßt sich nur erwarten von einer progressiven Neubepflanzung der Weingärten. Dazu sind aber die Leute von Rischojn, die sich heute schlecht und recht durchschlagen, nicht imstande. So steht diese Kolonie, falls sie nicht durch ein grandioses Unterstützungswerk gerettet wird, vor der Verarmung und dem Bankrott R'chojwojs ist durch Privatkapital errichtet worden. Es ist die am wenigsten unterstützte Kolonie; nur die Ica hat hier einige Darlehen gewährt. Auch dort ist die wirtschaftliche Lage keine glänzende. Nur ganz wenige Kolonisten können von ihren eigenen Erträgen leben- Die meisten sind in Pflanzungen beschäftigt, die ausländischen Grundbesitzern gehören. Von diesen Ausländern — lebt R'chojwojs, und wenn diese es einmal überdrüssig werden, Geld, das sich nicht verzinsen will, dort hineinzutragen, muß die Lage der Kolonie eine kritische werden. S i c h r o j n ist die einzige Kolonie, wo der Baron die Kolonisten wirklich auf feste Füße gestellt hat Hier erhielt jeder Kolonist 30 Dunam für Pflanzungen und 300 Dunam guten Ackerboden. Darum ist die Grundlage dieser Kolonie eine feste, und von ihr aus ist die Emigration weniger groß. Hier bleibt gewöhnlich einer von den Kolonistensöhnen im Lande, um später des Vaters Gut zu übernehmen. Für die anderen Kinder ist aber auch hier nichts zu erhoffen, und sie wandern ab. Nun aber hat dieser relativ gute Zustand der Kolonie auch eine Kleinigkeit gekostet: ca. 18 Millionen Francs mußte der Baron hineinstecken, so daß hier jede Wirtschaft mit 200000 Francs bezahlt worden ist Dieses Mißverhältnis in den Kosten der Kolonisation beschränkt sich aber nicht auf Sichrojn; es läßt sich an allen Kolonien nachweisen. Derweile ist C h e d e r a noch eine kleine und nicht sehr reiche Kolonie. Aber ich halte sie für die einzige, die eine gesicherte Zukunft hat, vorausgesetzt, daß sich die Malaria dort wirksam bekämpfen läßt Denn einmal ist dort noch viel Brachland, und dann ist der Boden, der wegen seiner Sumpfigkeit tausende Jahre unbenutzt dalag, besser als sonstwo im Lande. Außerdem liegt Chedera nahe an einer Bucht, die sich leicht als Hafen benutzen läßt Wir sahen: Nur zwei dieser besten Kolonien haben einen festeren Bestand, und nur eine von ihnen hat eine sichere Zukunft. Die übrigen weisen schon die Symptome einer nahen Krisis auf. Was aber an Beobachtern und Touristen ins Land kommt, hat in der Regel viel zu wenig Zeit, Vorkenntnisse und Willen, sich uneingenommen mit diesen Fragen zu befassen. Das läßt sich von den Kolonien bezaubern und erzählt der

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