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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 303

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 303 (sequence 8)
Language
German
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302 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. So ist denn schon jetzt die gesamte Fläche, die in den Tälern und der Hochebene für Feldarbeit oder Baumpflanzung geeignet ist, in Bearbeitung genommen. Von ihr gehört nur ein geringer Teil dem Staat und der Kirche, das Uebrige den Effendis und den arabischen Dorfgemeinden. Die verkaufen wohl noch dann und wann einen Teil ihres Grundbesitzes, um mit dem Erlös ihre übrige Feldwirtschaft besser einzuordnen; gewöhnlich aber fehlt es aber selbst den Arabern am nötigen Boden. Das Angebot freien Landes sinkt in unheimlicher Weise, und so steigen denn die Bodenpreise von Jahr zu Jahr. Selbst solch geringer Boden, wie ihn die Mandelbaumpflanzung braucht, ist billiger als für 300—540 Francs pro Hektar nicht mehr zu kaufen. Diese an sich schon hohen Bodenpreise verdoppeln sich infolge der vielen Abgaben und des Bakschisch, das dem von der Regierung noch immer gehemmten Juden den Bodenerwerb erst möglich macht. In Merchawja mußte man beispielsweise pro Dunam (Vu ha), den der Eigentümer für 30 Francs hergab, 60 Francs zahlen. Mangel an Ackerland und hohe Bodenpreise — das sind große Gefahren, nicht nur für die Ausbreitung der jüdischen Siedlung, sondern auch für den Bestand der jetzigen Kolonien. Jahrelang bereits mühen sich solch alte Kolonien wie Mischmor und Kastinie vergebens, durch Hinzukauf neuen Landes ihre wankende Wirtschaft zu festigen. Gelingt aber ein Bodenkauf, so sieht man das in Palästina wie ein historisches Ereignis an, und die zionistische Presse zerpaukt den Fall über Gebühr. Die Wenigsten denken daran, daß die 5000 Dunam von Dschema, über die seiner Zeit so viel geredet wurde, umgerechnet in Hektar gar nicht so respektabel aussehen, und nur 454 Hektar ausmachen. So schrumpfen auch die 389000 Dunam jüdischen Landes auf ca. 35 000 Hektar zusammen — d. h, nur 0,013 vom palästinensischen Boden befinden sich in jüdischen Händen. Selbständige Installation jüdischer Landwirte ist bereits heute fast unmöglich. Eine Feldwirtschaft von 180—250 Dunam (17—22 Hektar) ist unter 6300—8750 Francs nicht zu haben; eine noch größere Summe ist für Hausbau, totes und lebendes Inventar usw. anzusetzen. In den wenigsten Fällen besitzen Juden, die selbst ihren Boden bearbeiten wollen, solch hohe Summe. Beim Verwenden gemieteter Arbeitskräfte — das sehen wir am Beispiel der meisten jüdischen Feldarbeiter in Palästina — ernährt aber eine solche Feldwirtschaft kaum ihren Eigentümer. Deshalb gibt es dort nur wenige Kolonisten, die sich selbständig angesiedelt haben. Die meisten konnten es nur, unterstützt von den verschiedenen Kolonisationsgesellschaften;

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