Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 300

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 300 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119807-3120546--0520-3120647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 299 Organisationen, unterstützt wird. Auch die Chaluko trifft man in sehr vielen Kolonien an. Von allen Siedlungen lassen sich höchstens 5 aufzählen, deren Bestand demoberflächlichen Beobachter ein fester zu sein scheint Das sind: Peßach- Tikwoh, Rischojn, R'chojwojs, Sichrojn und Chedera. Vier von ihnen sind kleine Städtchen mit hübschen Häusern, und in einigen verrät sich gleich ein gewisser Wohlstand. Man trifft dort satte Kolonisten und gesunde, wohlgenährte Kinder, sieht manch modisch gekleidete Gestalten; in Rischojn in vielen Häusern Pianos. Zwischen Jaffa und diesen Kolonien besteht ein regelmäßiger Diligenceverkehr usw. Sieht man aber näher zu, so nimmt man auch hier schwere Schäden und das wackelige Fundament wahr, auf dem diese Wirtschaften stehen, und sieht, von welcher Seite der Zusammenbruch droht, der die ganze landwirtschaftliche Siedlung ruinieren wird. Wir wollen jede dieser 5 Kolonien für sich betrachten. Die größte und lebendigste ist bekanntlich Peßach-Tikwoh, die einzige, in der man Leben und Wachstum verspürt. Hier steigen unaufhörlich die Boden- und Wohnungspreise; auch die Pflanzungsfläche nimmt jährlich zu* Die treibende Kraft ist hier das Privatkapital, das seit den letzten Jahre hineingetragen wurde und eine Spekulation hochgezüchtet hat, durch die die künftige Entwicklung auf einen gefährlichen Weg gedrängt wird. Man trifft in Peßach-Tikwoh kaum jemanden, der seine Pflanzungen zu dem Zwecke anlegt, um selbst von ihren Erträgen zu leben, und sie so von vornherein auf eine feste und gesunde Basis stellt Meistens pflanzt man hier, um später die Pflanzung zu veräußern, und da geschieht die ganze Bearbeitung billig und schlecht Die dortigen Grundstücke werden in einigen Jahren überhaupt nichts mehr tragen, und das führt zu einer Krisis. Außerdem liegen auf den meisten Wirtschaften zehntausende Francs Schulden, so daß eine Krise unvermeidlich ist. In Rischojn ist der ganze Glanz, der auf den ausgeputzten Gassen, den zweistöckigen Häusern und den Palmen liegt, ein aufgeklebter. Als die Einwohner von Rischojn noch von des Barons reichen Schätzen ausgehalten wurden, sind die Häuser gebaut und die Pianos hineingestellt worden. Die Haupterwerbsquelle der Bewohner von Rischojn ist der Weinbau. Von ihren 6541 Dunam Pflanzungen entfallen 4600 auf Weingärten. Nun wird der Weinstok von selbst bald alt und gibt dann keinen Ertrag. Man hat durch Bemistung einen Ausweg gesucht, aber das ist ein unzulängliches Mittel; Abhilfe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.