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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die jüdische Kolonisation in Palästina
Date
1913-08-22
Page
Seite 298 (sequence 3)
Language
German
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L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, 297 gehen. Dabei war das Jahr 1911 gar kein schlechtes und ergab eine gute Ernte. Die reichte aber kaum dazu aus, die fälligen Zinsen an die Ica-Verwaltung zu bezahlen. Es gibt wenig Wirtschaften, die, nachdem sie Steuern, Amortisationen usw. gezahlt haben, genug Saatkorn übrig halten, um ohne Unterstützungen im neuen Jahre die Arbeit beginnen zu können. In vielen Kolonien sind die Oekonomen in ein unentwirrbares Netz von Schulden geraten. Die Anglo-Palestine-Co. fordert alljährlich pünktlich und streng ihre Zinsen und leiht nicht eher aus, bis die alten Schulden bezahlt sind. Da wenden sich denn die Kolonisten an private Wucherer und müssen bis zu 20 und 30 Prozent Zinsen geben. In Ekron haben die Kolonisten hohe Zinsen für 120 000 Francs zu zahlen; in Kastinie sind sie sogar Arabern verschuldet, in Metula gibt es keinen, der unter 1000—2000 Francs Schulden hätte. Sehr viele Krämer können den Kolonisten nicht mehr auf Borg geben, denn sie wissen, daß der Kolonist selbst beim besten Willen seinen Verpflichtungen nicht nachgehen kann. (Hier sind die großen Verpflichtungen der Kolonisten gegenüber der Ica-Verwaltung und den Chowewe-Zion nicht berücksichtigt.) Einen Beweis für die schwankende Grundlage der Kolonisation gibt auch die Tatsache, daß die Jugend mehr und mehr abwandert. Außer in Peßach-Tikwoh und Sichrojn Jakob, sieht man in den Kolonien keine jungen Menschen. In Rischojn gab es zur Zeit meines Aufenthaltes unter mehr als 900 Menschen nur 2 Kolonistensöhne, und selbst diese sind im Begriffe, auszuwandern. Freitagabend sieht man in den Gassen einige Arbeiter, und die ganze übrige junge Welt besteht aus Mädchen. So ist's allerorten in Palästina. Mit dem jungen Nachwuchs schwindet das Leben aus den Kolonien. Wäre die Lage der Kolonisten zufriedenstellend und sicher, würden ihre Kinder natürlich im Lande verbleiben. Jetzt aber, wo die Kinder das beständige Klagen ihrer Eltern hören, die es verwünschen, daß sie einst Kolonisten wurden, verlieren sie jede Lust, in Palästina Landarbeiter zu werden. Sehr bezeichnend ist auch dies, daß so häufig die Beziehungen der palästinensischen Kolonisten zu ihren Freunden im Golus abgerissen werden, weil die Kolonisten diesen die Einwanderung abraten. Diese aber, die in den Zeitungen nur glänzende Berichte lesen, glauben, ihre Freunde vergönnten ihnen nicht dieses Glück, in Palästina Bauer zu werden, und zürnen ihnen für ihren „Egoismus." In Wahrheit aber führen die Kolonisten ein sehr beklagenswertes Leben. Gewiß, die Häuser sehen oft sehr hübsch aus;

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