Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 297 (sequence 2)
- Language
- German
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296 h Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, /endlich auseinandergerissen werden. Der Wahnsinn aber, auf die großen jüdischen Fragen der Emigration, der Kolonisation, der Kultur und der Politik immer wieder mit derselben impotenten Formel „Palästina" zu antworten, kann nur dadurch geheilt werden, daß man das ruhige, untrügerische Tageslicht endlich auch über Palästina scheinen läßt, und damit die Palästinahvsterie un- * «<■ schädlich macht. Der hier folgende Aufsatz gibt den Auszug der wörtlichen Uebersetzung einer größeren Arbeit, die im Mai- und Juniheft der jiddischen Revue „Die jüdische Welt" veröffentlicht wurde. Wer sich eingehender mit ihren statistischen und sachlichen Unterlagen beschäftigen will, sei hiermit nachdrücklich auf das Original verwiesen. F. JVL K. * A. Der Stand der Kolonisation Die jüdischen Kolonien in Palästina bestehen in ihrer großen Mehrzahl länger als zwei und drei Jahrzehnte. Noch immer aber haben sie ihre Grundlage nicht festigen können; viele sind da, die wie verkrüppelte Treibhauspflanzen anmuten und nur durch beständige Unterstützungen sich halten können. Andere gerieten in dem Augenblick, als der Goldregen des Barons aussetzte, und sie sich auf eigene Füße stellen sollten, ins Wanken und nähern sich mehr und mehr dem Untergang. So halten es denn in sehr vielen Wirtschaften die Kolonisten nur kurze Zeit aus. In Sedschera, das erst 9 Jahre besteht, haben bereits 30 Wirtschaften ihre Oekonomen gewechselt In anderen, so in Metula, Kineres, Bes-Gan usw. gibt es welche, wo das zwei-, dreimal bereits geschah. Sehr oft kam es in der letzten Zeit vor, daß der Kolonist 1, 2 oder 3 Jahre seine Wirtschaft führt, und dann plötzlich verschwindet. So gibt es bereits nicht wenig Wirtschaften, die ohne Kolonisten sind: In Jema an die 12, in Machanojim 6 usw. Seit den letzten 8 Jahren hat in vielen Kolonien die Zahl der Oekonomen bedeutend abgenommen. In Metula gab es einmal mehr als 40 Kolonisten — heute sind es nur noch 32; in Jema gab es 46 — heute 34; in Bes-Gan 16 — heute 11, in Kastinie 19 — heute 12. Im Jahre 1911 emigrierten nach Australien und Argentinien: von Metula 2, von Jema 1, von Ekron 5. Im Land suchten Arbeit, nachdem sie ihre Wirtschaft aufgaben: von Kastinie 2 (1912: 5), von Meßcha 3, von Roisch-Pino 3. Aus Machanajim sind bereits alle grusinischen Kolonistenfamilien weggegangen. Noch großer war die Zahl derer, die Anfang 1912 kein Saatkorn besaßen, um die Feldarbeit zu beginnen. Erst nachdem die Ica-Verwaltung ihnen aushalf, konnten sie an die Arbeit