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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 290

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Über Zionismus und jüdische Kultur
Date
1913-08-22
Page
Seite 290 (sequence 3)
Language
German
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B. Locker, Über Zionismus und jüdische Kultur, 289 wiederzugeben, die der zehnte Zionistenkongreß (1911) in der Kulturfrage angenommen hat. Dieselben lauten: „Die verschiedenen Strömungen und Fraktionen des Kongresses stimmen in der Ueberzeugung überein, daß unsere Kultur- und Erziehungsarbeit aufs innigste zusammenhängt mit der hebräischen Sprache und mit allen Kulturschätzen, die unser Volk seit Jahrtausenden aufgehäuft hat." Ferner: L „Der X. Zionistenkongreß fordert das E. A. C. auf, die Kulturarbeit in Palästina und im Orient zu organisieren und zu zentralisieren." IL „Der X. Zionistenkongreß gibt seinen Willen kund, daß in keiner der von der zionistischen Organisation geschaffenen Institutionen für Kulturarbeit irgend etwas unternommen werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft." HL „Der Kongreß erklärt die Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora für eine autonome Angelegenheit der einzelnen Landesorganisationen und Föderationen; er legt jedoch jedem Zionisten und allen Landesorganisationen und Föderationen die Pflicht auf, für die Förderung und Verbreitung jüdisch-nationaler Kultur auf allen Gebieten jüdischen Schaffens und Volkslebens zu wirken." Diese Resolutionen verlangen eine genaue Würdigung. Zunächst vergleiche man sie mit den oben erwähnten des zweiten Kongresses- Als neue fällt in erster Linie auf die HL Resolution, die die Dezentralisierung der Kulturarbeit in den Golusländern ausspricht, während die ersten Kongresse dieselben in die Hände einer zentralen Kommission zu legen pflegten. Man könnte glauben, daß hier bloß eine vernünftige praktische Aenderung der Arbeitsmethode vorliege. Doch da stößt man auf eine zweite Neuerung, die nicht so sehr in die Augen springt; sie ist nämlich in den Worten: „allen Kulturschätzen" der Einführungsresolution und „auf allen Gebieten jüdischen Schaffens und Volkslebens" im Schlußsatze der dritten Resolution enthalten* Diese beiden Unterschiede zwischen den Resolutionen von 1898 und 1911 sind keine Zufälligkeiten, sondern das Resultat eines harten Kampfes der poale-zionistischen Fraktion im Plenum und in der Kommission des X. Kongresses, eine der erdrückenden Mehrheit des Kongresses nur schwer abgerungene Konzession für die — jiddische Sprache und Kultur. Denn diese erdrückende Mehrheit war nicht um ein Haar über die Auffassung von 1898 hinausgegangen. Das zeigte zur Genüge die Debatte. Eine beschämende und recht traurige Debatte. Man bedenke: der Zionistenkongreß, der doch die Bezeichnung eines jüdischen Parlaments für sich in Anspruch nimmt, behandelt das jüdische

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