Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Die hebräische Universität
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 281 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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280 L. Chasanowitsch, Die hebräische Universität europa zu sehen ist. So muß das Technikum zu entgegengesetzten Resultaten führen, als es die Absicht seiner Gründer war. Da wird es wenig helfen, daß die Erziehung der Studenten eine bewußt jüdische sein soll. Denn entscheidend für die Weltanschauung solcher Intellektuellen ist nicht die Schulbildung, sondern die Umgebung, in der sie ihr Brot verdienen. Die Mehrzahl von ihnen wird, wie bei uns Juden so häufig, noch türkischer werden als die Ottomanen. Wer die Intelligenz dem jüdischen Volke erhalten will, muß dafür sorgen, daß sie mit ihrer ganzen ökonomischen Existenz in der jüdischen Umgebung Wurzel fasse. Hierzu ist aber das Technikum nicht in der Lage, und darum ist es sehr fraglich, ob es auf das nationale Gewinnkonto gesetzt werden darf. Es gibt auch einige, die mit dem Hochschul-Projekt der augenblicklich akut gewordenen Studentenfrage eine Lösung geben wollen. Dazu würden aber nicht einmal zwei Universitäten ausreichen, und wir müßten dann in Palästina mehr Studenten haben, als augenblicklich unsere Kolonien Menschen zählen. Die Dinge liegen aber so, daß eine in Palästina oder sonstwo gegründete Universität eben so wenig für die Lösung der Studentenfrage in Betracht kommt, wie beispielsweise die dortige Kolonisation für die Lösung des Emigrationsproblems. — Die jungen Juden, die studieren wollen, werden sich schon mit den alten Universitäten abfinden müssen. Wenn ihnen in Deutschland das Studium völlig verwehrt werden sollte, werden sie es in anderen Ländern versuchen müssen. Schließlich bleiben ihnen noch immer England, Skandinavien oder auch die Vereinigten Staaten von Amerika. Zwar glaube ich nicht daran, daß das phantastische Universitätsprojekt durch logische Argumente unschädlich gemacht werden kann. Denn ungeheuer stark ist im Zionismus die Kraft der Don-Quichoterie; so meinte vor kurzem ein zionistischer Führer aus Rußland, der mir gegenüber die Universitätsidee verteidigen wollte: „Wir müssen in Palästina, wo schon einmal das jüdische Leben eine verkehrte Welt ist, alles umgekehrt anfassen wie andere, gesunde Völker; nur so kommen wir zu normalen Zuständen." Vor solchen Argumenten bleibt einem nichts übrig, als die Waffen zu strecken. In Wahrheit aber ist dies die Methode, mit der in Palästina gearbeitet wird. Hier baut man die Dächer, bevor die Häuser in Angriff genommen sind, stellt die Pyramide auf die Spitze, und „kolonisiert" mit Gymnasien und Hochschulen — siedelt Juden an, indem man einen breiten Abwanderungskanal herstellt. Mich wundert dies eine nur: Achad Haam springt nicht vor Freude aus der Haut und rührt bei der ganzen Sache